Lebensstil beeinflusst Alterung

5. August 2021 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Hexiang Peng et al.: Combined healthy lifestyle score and risk of epigenetic aging: a discordant monozygotic twin study. Aging 13, 25.05.2021, S. 14039-14052.

Kara N. Fitzgerald et al.: Potential reversal of epigenetic age using a diet and lifestyle intervention: a pilot randomized clinical trial. Aging 13, 12.04.2021, S. 9419-9432.

Man joggt vor Abendhimmel
Regelmäßige Bewegung gehört neuen Studien zufolge zu den Lebensstil-Faktoren, die das Tempo unserer biologischen Alterung am deutlichsten bremsen (Bildrechte: WDGPhoto / depositphotos)

Wenn wir altern, verändert sich die Umgebung der DNA unserer Zellen. Neue Tests, die diese Epigenetik auswerten, lassen Rückschlüsse auf das biologische Alter eines Menschen und die Geschwindigkeit seines Alterns zu. In zwei aktuellen Studien fanden Forscher*innen erste Hinweise, dass auch der Lebensstil an der epigenetischen Alterungs-Uhr dreht. Können wir uns jung essen, laufen oder schlafen?

Im Jahr 2013 beschrieb der Deutsch-Amerikaner Steve Horvath als erster einen Algorithmus, der das biologische Alter eines Menschen und damit das Tempo seiner Alterung anhand einer Analyse des epigenetisch aktiven DNA-Methylierungsmusters berechnet. Mittlerweile gibt es sogar mehrere solcher epigenetischer Uhren. Zwei aktuelle Untersuchungen lassen nun aufhorchen. Sie sind klein und ihre Resultate stehen auf wackeligen Beinen, aber sie bestätigen frühere Studien: Wer in einen gesunden Lebensstil investiert, hat gute Chancen, langsamer alt zu werden.

Forscher*innen um den Biostatistiker Liming Li vom University Health Science Center in Beijing, China, ermittelten das epigenetische Alter bei 143 Paaren von eineiigen Zwillingen. Die jeweiligen Zwillinge hatten trotz der gleichen Gene einen unterschiedlichen Lebensstil – wobei dieser über vier Faktoren ermittelt wurde: das Maß an Bewegung, das Essen von Obst und Gemüse, der Konsum von Alkohol und das Rauchen von Zigaretten. Dabei zeigte sich, dass die Menschen mit einem rundum als gesund geltenden Wandel langsamer gealtert waren als jene, die bei mindestens dreien der vier Faktoren das vermeintlich Ungesunde taten. Der Effekt machte durchschnittlich eineinhalb Lebensjahre aus und beruht offenbar nur auf zweien der vier Faktoren, nämlich auf Bewegung und Ernährung. 

Kara Fitzgerald vom Institute for Functional Medicine in Federal Way, Washington, USA, hat mit Kolleg*innen 18 gesunde Männer im Alter zwischen 50 und 72 Jahren einer Art Gesundheitsprogramm unterworfen und eine zufällig ausgewählte zweite Gruppe von 20 Männern gebeten, ihr Leben möglichst gar nicht zu verändern. Zum Programm gehörten mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht, mindestens fünf Mal pro Woche 30 Minuten oder mehr Sport, regelmäßige Entspannungsübungen und eine spezielle, so genannte epigenetische Diät.

Im Vergleich mit sich selbst zu Beginn des achtwöchigen Gesundheitsprogramms wurden die Proband*innen zwar fast zwei Jahre epigenetisch jünger, dieser Effekt war aber statistisch nicht eindeutig. Bedenkt man zudem, dass die Kontrollgruppe während des gleichen Zeitraums epigenetisch gesehen über ein Jahr gealtert sein soll, spricht vieles für eine vergleichsweise hohe Messungenauigkeit. Die Autor*innen selbst sprechen nur von einer Pilotstudie und fordern, es müssten noch bessere und sehr viel größere Studien her, um die Sachlage endgültig zu klären.

Epigenetische Uhr: Lebensstil beeinflusst Alterung heißt ein ausführlicher Hintergrund-Artikel zum Thema, den Sie im Online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter.de lesen können.

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