Ist Altern ein epigenetischer Prozess?

7. Oktober 2015 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Payel Sen et al.: H3K36 methylation promotes longevity by enhancing transcriptional fidelity. Genes and Development 29, 01.07.2015, S. 1362 – 1376.

Immer mehr Resultate legen die Vermutung nahe, dass die Alterung von Lebewesen im Grunde ein epigenetisches Phänomen ist. Danach altert auch der Mensch, indem sich seine Zellen epigenetisch so verändern, dass sie weniger gut arbeiten sowie häufiger sterben, entarten oder entzündliche Prozesse befördern. Epigenetisch aktive Enzyme, die solche Prozesse rückgängig machen oder verhindern können – beispielsweise Sirtuine – gelten deshalb schon länger als mögliche Angriffspunkte für potenzielle Verjüngungspillen. Jetzt hat die Arbeitsgruppe von Shelley Berger, Epigenetikerin an der University of Pennsylvania, USA, die sich seit langem mit dem Altern beschäftigt, eine neue epigenetische Markierung entdeckt, die Zellen jung hält und so das Altern herauszuzögern scheint.

Bekannt war, dass der Histon-Code alternder Zellen immer lückenhafter wird, weil Histon-Proteine verloren gehen sowie insgesamt die Bindung zwischen DNA und Histonen immer unorganisierter wird. Dadurch werden offenbar zunehmend Gene oder Genbruchstücke abgelesen, die keinen Sinn ergeben oder sogar Schaden anrichten. Jetzt fanden Berger und Kollegen in Hefezellen, dass daran die Methylierung des H3-Histons an einer bestimmten Stelle (H3K36) maßgeblich beteiligt ist. Je seltener diese Markierung in einer Zelle auftritt, desto älter ist sie. Durch die Blockade eines Enzyms, das Methylgruppen von dieser Histonstelle entfernt, die epigenetischen Junghalte-Markierungen also auslöscht, konnten die Forscher die Zell-Alterung deutlich bremsen. Entsprechend behandelte Hefezellen lebten um 30 Prozent länger als andere Zellen.

Das Grundmuster der Hefezell-Alterung – dass wegen Störungen im Histon-Code immer mehr kurze, schädliche Genstücke abgelesen werden – fanden die Forscher übrigens auch bei Fadenwürmern. Ihrer Meinung nach ist es also durchaus anzunehmen, dass vergleichbare Prozesse auch bei Säugetieren, letztlich also beim Menschen wirken.

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