EZH2, Teil 2: Epigenetisches Medikament bekämpft Melanome

15. Februar 2015 | Von | Kategorie: onkologie

Daniel Zingg, et al.: The epigenetic modifier EZH2 controls melanoma growth and metastasis through silencing of distinct tumour suppressors. Nature Communications 6:6051, 22.01.2015, doi: 10.1038/ncomms7051.

Das maligne Melanom – auch schwarzer Hautkrebs genannt – ist die mit großem Abstand tödlichste Art von Hautkrebs. Über die Aggressivität des Krebses entscheidet die Aktivität mehrere Gene, die zum einen das Wachstum des Tumors selbst erhöhen und ihn zum anderen zur Streuung bösartiger Zellen in den restlichen Körper anregen. Diese oft besonders frühzeitige Metastasierung ist der eigentliche Grund, warum das maligne Melanom so gefährlich ist. Jetzt fanden Zell- und Molekularbiologen aus Zürich und den USA, dass die Aktivität vieler dieser Krebsgene über ein epigenetisches Enzym gesteuert wird. Hemmten die Forscher dieses Enzym, wurde der Krebs weniger aggressiv.

Daniel Zingg und Kollegen untersuchten das epigenetische Enzym EZH2, das als so genannte Histonmethyltransferase Methylgruppen an Histon-Eiweiße anlagert, und so gezielt eine besonders dichte Verpackung der DNA induziert. Dadurch werden manche Gene direkt inaktivierbar oder andere Gene indirekt aktivierbar gemacht. Im Fall des Melanoms sorgt EZH2 offenbar dafür, dass Gene geradezu aufdrehen können, die den Krebs besonders bösartig machen. So ermittelten die Forscher, dass Melanompatienten, in deren Tumoren ein besonders hoher EZH2-Spiegel war, eine besonders schlechte Prognose hatten. (Ähnliches kennt man bereits von anderen Krebsarten; siehe auch die Meldungen über EZH2 bei Lungenkrebs und Eierstockkrebs.)

In hautkrebskranken Mäusen gelang es den Forschern sogar mit Hilfe einer pharmakologischen Substanz namens GSK503, die für den Menschen noch in der präklinischen Entwicklung ist, das EZH2 zu hemmen und den Krebs in Schach zu halten. Ähnliche Resultate ergaben Versuche mit Kulturen menschlicher Hautkrebszellen. In den entarteten Zellen wurden durch das Verstellen der Epigenome plötzlich wieder Tumorsuppressor-Gene aktiv, von denen bekannt ist, dass sie das Wachstum und die Streuung bösartiger Melanom-Zellen unterdrücken. Zingg und Kollegen folgern, epigenetische Medikamente, die EZH2 hemmen, seien aussichtsreiche Kandidaten für eine Krebstherapie der Zukunft.

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