Trickreiches Hepatitis D-Virus

28. Oktober 2020 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Natali Abeywickrama-Samarakoon et al.: Hepatitis Delta Virus histone mimicry drives the recruitment of chromatin remodelers for viral RNA replication. Nature Communications 11:419, 21.01.2020.

Hepatitis D Viren sind aus vielen Gründen rätselhaft: Sie kommen nur bei Menschen vor. Sie vermehren sich nur, wenn gleichzeitig ein Befall mit Hepatitis B Viren vorliegt. Und es gibt gegen sie noch keine wirksame Therapie. Das ist ein großes Problem, denn eine HDV-Infektion kann binnen kurzer Zeit lebensbedrohliche Leberschäden auslösen. Nun gelang es einem Team um den Virologen Paul Dény aus Lyon und die Mitherausgeberin dieses Newsletters, Susanne Müller-Knapp aus Frankfurt am Main, in jahrelanger Kleinarbeit den HD-Viren ein wichtiges epigenetisches Geheimnis zu entreißen.

Die Viren enthalten danach den Bauplan eines Proteins, das dank eines kleinen Umbaus einem bestimmten Histonprotein, wie es üblicherweise an die DNA gebunden ist, zum Verwechseln ähnlich wird. Dadurch bindet das Virusprotein an eine epigenetisch aktive, den Histon-Code „lesende“ Bromodomäne und verändert mit deren Hilfe die Genregulation der Wirtszellen zu seinen Gunsten. Dieser Virus-Trick liefert den Forscher*innen nun neue Ansätze für potenzielle HDV-Gegenmittel. Substanzen, die gezielt die involvierte Bromodomäne hemmen, bremsten im Experiment auch das Virus.

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