Sport verändert Epigenom in nur 20 Minuten

4. April 2012 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Romain Barrès et al.: Acute exercise remodels promoter methylation in human skeletal muscle. Cell Metabolism 15, 07.03.2012, S. 405-411.

Eigentlich gilt die Anlagerung von Methylgruppen an die DNA als stabilste aller epigenetischen Veränderungen. Doch jetzt zeigten Forscher aus Schweden, dass bereits ein 20-minütiges Training auf einem Fahrrad-Ergometer zu gezielten Abnahme der DNA-Methylierung in Muskelzellen führt. Die Forscher entnahmen den gesunden aber untrainierten Probanden vor und nach dem Training winzige Muskelproben. Am Energiestoffwechsel beteiligte und zuvor stumm geschaltete Gene (PPAR-δ, PGC-1α und andere) waren danach wegen einer plötzlichen Demethylierung in ihrer Kontrollregion leichter ablesbar. Dieser Effekt war umso stärker, je intensiver die Testpersonen in die Pedale traten.

Die Methylierung anderer Gene blieb dagegen unverändert. Dieses Ergebnis unterstreicht nicht nur, wie tief greifend sich eine Lebensumstellung selbst im Erwachsenenalter noch auf die menschliche Physiologie auswirken kann. Es legt vor allem nahe, was viele Epigenetiker bis vor kurzem kaum für möglich hielten: Unsere Zellen kennen einen Weg zur raschen aktiven Demethylierung, der ihnen hilft, epigenetisch stumm geschaltete Gene wieder aktivierbar zu machen, wenn sie gebraucht werden. Wie dieser Weg genau aussieht, dürfte nun noch intensiver erforscht werden als bisher.

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