Lang lebe die Königin

8. Oktober 2010 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

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bonasio1Roberto Bonasio et al.: Genetic comparison of the ants Camponotus floridanus and Harpegnathos saltator. Science 239, 27.08.2010, S. 1068-1071.

Ein Chinesisch-US-Amerikanisches Forscherteam hat die Genome zweier Ameisenarten sequenziert und sich zudem die Epigenome der Insekten angeschaut. Es zeigte sich, dass die genetisch identischen Tiere aus verschiedenen Kasten desselben Staates sich epigenetisch deutlich voneinander unterscheiden. Betroffen sind alle drei bekannten epigenetischen Schaltersysteme: DNA-Methylierung, Histonveränderung und das Mikro-RNA-Profil. Die Entdeckung bestätigt die lange gehegte Vermutung, dass es die Epigenome der Zellen von eusozialen Insekten sind, über die Umwelteinflüsse das Verhalten, die Lebenserwartung und die Fruchtbarkeit von Arbeiterinnen, Soldatinnen, Königinnen und anderen Kasten festlegen.

So sind zum Beispiel die Gene für lebensverlängernde Enzyme wie Telomerase und Sirtuin-Deacetylase bei den Königinnen der Springameise Harpegnathus saltator stärker aktiviert als bei den Arbeiterinnen. Das könnte erklären, warum die Königinnen zehn Mal länger leben als Arbeiterinnen und 500 Mal länger als Drohnen. Nun hoffen die Forscher mit Hilfe des Modellsystems Ameise der Epigenetik des Alterns und Sozialverhaltens weitere Geheimnisse zu entreißen.

Foto links: Eine Arbeiterin der Springameise Harpegnathus saltator mit typischen sichelförmigen Mandibeln und großen Augen, die beim Jagen helfen.
Foto rechts: Eine obere Arbeiterin der Holzameise Camponotus floridanus mit dem typischen vergrößerten Kopf.
(Bildrechte: Jürgen Liebig, Arizona State University)

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