Die Zelle verstehen: LifeTime nimmt wichtige Hürde

12. März 2019 | Von | Kategorie: wirtschaft, projekte & medien

In Petrischalen aus Stammzellen gezüchtetete Mini-Organe wie dieses Hirn-Organoid helfen dabei, die Techniken der Einzelzell-Biologie auch auf menschliches Gewebe anzuwenden (Bildrechte: Agnieszka Rybak Wolf, AG Nikolaus Rajewsky, BISMB / MDC).

Pressemitteilung, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, 15.01.2019.

Website von LifeTime.

Die Europäische Union wird das internationale Forschungskonsortium LifeTime binnen eines Jahres mit einer Millionen Euro unterstützen. In dieser Zeit soll ein detailliertes, auf zehn Jahre angelegtes Forschungsprogramm erstellt werden, das im Erfolgsfall umfangreiche weitere Fördermittel erhalten wird. Das Ziel von LifeTime ist es, die Prozesse des Lebens und die Entstehung von Krankheiten auf der Ebene einzelner Zellen bis hinein in die kleinsten Veränderungen der Genregulation, des Stoffwechsels und der Epigenetik zu analysieren. Es geht um Einzelzell-Biologie. „Wir wollen verstehen, wie Krankheiten in einem Organismus Zelle für Zelle im Verlauf der Zeit entstehen“, sagt Martin Lohse, Vorstandsvorsitzender des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin, das die großangelegte Initiative gemeinsam mit dem Institut Curie in Paris koordiniert. Beteiligt sind mehr als 120 Wissenschaftler*innen an 53 Instituten aus 18 europäischen Ländern sowie 60 Unternehmen.

Die modernsten technischen Methoden sollen zum Einsatz kommen: Zellen werden aus menschlichen Mini-Organen – so genannten Organoiden – entnommen, die aus Stammzellen in Petrischalen gezüchtet worden sind. Im Hochdurchsatzverfahren werden diese Zellen dann analysiert. Zuvor wurden die Organoide oder einzelne ihrer Zellen bestimmten äußeren Einflüssen ausgesetzt oder mit Hilfe der so genannten Gen-Schere CRISPR/Cas9 gezielt genetisch oder epigenetisch verändert. Moderne bildgebende Verfahren helfen bei der Analyse ebenso wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Der Ansatz ist multidisziplinär: Die Forscher*innen stammen aus der Biologie, Physik, Informatik, Mathematik, Medizin, Soziologie, Ethik und Ökonomie. Selbstverständlich wird die Analyse epigenetischer Veränderungen auf der Ebene einzelner Zellen eine zentrale Rolle spielen. Viele namhafte Arbeitsgruppen aus diesem Feld sind im Konsortium vertreten.

„Alle Mitglieder von LifeTime gehören zu den Besten ihrer jeweiligen Disziplin. Sie leisten visionäres“, sagt Nikolaus Rajewsky, Leiter des Berlin Insitute for Medical Systems Biology (BIMSB) und einer der beiden Koordinatoren des Konsortiums. Im ersten Jahr gehe es deshalb auch darum, die Zusammenarbeit der vielen Forschungsgruppen zu verstärken. Eine zweite wichtige Aufgabe wird sein, unter den vielen potenziellen Krankheiten jene herauszufiltern, auf die sich LifeTime schließlich konzentrieren sollte. „Das Schicksal der Bevölkerung Europas wird durch viele verschiedene Krankheiten bestimmt“, sagt die Epigenetikerin Geneviève Almouzni vom Institut Curie in Paris und Forschungsdirektorin am Centre National de Recherche Scientifique (CNRS), die zweite Koordinatorin des Projekts. Man wolle im ersten Jahr unter anderem prüfen, „für welche Krankheiten sich unsere Herangehensweise am besten eignet“.

Den ausführlichen Bericht „Das Leben verstehen“ über die LifeTime Opening Konferenz, die am 6. und 7. Mai 2019 in Berlin stattfand, lesen Sie im Online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter.de:

www.riffreporter.de/erbe-umwelt-peter-spork/Lifetime/.

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