Epigenetik der Unfruchtbarkeit

11. März 2019 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Shijian Lv et al.: The attenuation of trophoblast invasion caused by the downregulation of EZH2 is involved in the pathogenesis of human recurrent miscarriage. Molecular Therapy Nucleic Acids 14, 01.03.2019, S. 377 – 387.

Tae Hoon Kim et al.: Loss of HDAC3 results in nonreceptive endometrium and female infertility. Science Translational Medicine 11, 09.01.2019, eaaf7533.

Zwei neue Studien beschäftigen sich mit möglichen epigenetischen Auslösern von weiblicher Unfruchtbarkeit. Shijian Lv von der Universität von Shanghai, China, und Kolleg*innen entdeckten Auffälligkeiten bei Frauen, die aus bislang unbekannten Gründen immer wieder Fehlgeburten haben. Dabei zeigte sich, dass die Plazentazellen solcher Frauen ungewöhnlich niedrige Mengen des epigenetisch aktiven Enzyms EZH2 produzieren. Indem dieses Enzym die Genregulation der Zellen verändert, scheint es die Einnistung des Embryos erst möglich zu machen. Fällt die epigenetische Umprogrammierung zu schwach aus, kann der Embryo sich nicht einnisten und es kommt zur Fehlgeburt. Für diese These spricht auch, dass das Sexualhormon Progesteron, das bereits erfolgreich im Kampf gegen Fehlgeburten eingesetzt wird, den EZH2-Spiegel der Plazentazellen anhebt.

Das Team um Tae Hoon Kim von der Michigan State University, USA, untersuchte hingegen Frauen, die wegen einer Endometriose keine Kinder bekommen können. Bei diesem häufigen, sehr belastenden und schmerzhaften Leiden wächst Gewebe aus der Gebärmutter in den Eierstöcken. Warum eine Endometriose manchmal aber auch zu Unfruchtbarkeit führt, war bislang unklar. Die Forscher entdeckten nun bei jenen Frauen mit einer endometriosebedingten Unfruchtbarkeit eine epigenetische Besonderheit: Die Gebärmutterzellen dieser Frauen produzieren ungewöhnlich geringe Mengen des epigenetischen Enzyms HDAC3 – eine Histondeacetylase, die Acetylgruppen von Histonproteinen entfernt und damit Gene weniger gut aktivierbar macht. In weiterführenden Experimenten mit Zellkulturen und Mäusen fanden die Forscher heraus, dass das Enzym offenbar Gene beeinflusst, die für die Bildung von Kollagenfasern wichtig sind. Ist zu wenig HDAC3 vorhanden, produziert die Gebärmutter demnach zu viel Kollagen, was das Einnisten des Embryos verhindert und zur Unfruchtbarkeit führt.

Schlagworte: , , , , , ,