Warum sportliche Väter gesündere Kinder bekommen

Eine Maus kümmert sich um ihren Nachwuchs
Experimente mit Nagetieren zeigen: Nicht nur das Muttertier vererbt seine Gesundheit via Epigenetik an seine Nachkommen, sondern auch das Vatertier (Bildrechte: Eric Isselee / shutterstock)

Abel Plaza-Florido et al.: Beyond maternal exercise: paternal exercise adaptations mediated by sperm microRNA signatures. Nature Reviews Urology, 27.03.2026, online-Vorabpublikation.

Xin Yin et al.: Paternal exercise confers endurance capacity to offspring through sperm microRNAs. Cell Metabolism 37, 04.11.2025, S: 2167 – 2184.

Werdende Mütter sind einem großen gesellschaftliche Druck ausgesetzt, weil sich ihre Gesundheit auf die Gesundheit der nächsten Generation überträgt. Die Frauen sollen sich deshalb viel bewegen, ausgewogen ernähren und natürlich weder rauchen noch Alkohol trinken. Doch es gibt immer mehr Hinweise, dass die gleichen Regeln auch für angehende Väter gelten sollten.

Neuen Studien zufolge vererben nämlich auch Väter ihre Gesundheit intergenerationell – also von einer Generation auf die nächste. Noch stammen viele der Resultate aus Tierversuchen – aber die Hinweise häufen sich, dass die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind. Jetzt haben spanische Sportmedizinerïnnen den Stand der Forschung in einer spannenden Übersichtsarbeit zusammengefasst.

Überernährte oder zu bewegungsfaule männliche Ratten oder Mäuse haben oft ein verändertes Muster an epigenetisch aktiven Botenstoffen in ihren Spermien. Embryonen, die aus der Befruchtung einer Eizelle mit diesen Spermien entstehen, entwickeln sich vermutlich deshalb etwas anders als andere Artgenossen. Und das wiederum macht sie überdurchschnittlich anfällig für bestimmte Krankheiten.

Soweit die Theorie. Was das konkret bedeutet, zeigte zuletzt ein Team chinesischer Forschender in Experimenten mit Mäusen. Diese trainierten entweder über acht Wochen hinweg täglich ausgiebig in Laufrädern oder sie wurden genetisch so manipuliert, dass ihre Muskulatur ständig einen Botenstoff erzeugte, wie sie ihn üblicherweise nach anstrengender Bewegung ausschüttet.

In beiden Fällen reicherten sich zehn verschiedene Arten von Mikro-RNA in ihren Spermien an. Diese Substanzen, für deren Entdeckung es im Jahr 2024 den Medizin-Nobelpreis gab, schwächen gezielt die Übersetzung passender genetischer Codes in Proteine auf epigenetischem Weg ab. Und offenbar prägen sie im aktuellen Beispiel den Nachwuchs in eine positive Richtung. Denn dieser zeigte später im Leben besonders starke Ausdauerleistungen, sowie eine überdurchschnittlich gute Verfassung des Herz-Kreislauf-Systems und des allgemeinen Stoffwechsels.

Mindestens die häufigste der Mikro-RNAs – jene mit dem Namen miR-148a-3p – scheint direkt für den Effekt verantwortlich zu sein. Wenn die Forschenden nur diese eine Substanz in Eizellen injizierten, die von gewöhnlichen Männchen befruchtet worden waren, kam dennoch besonders sportlicher Nachwuchs heraus.

Bleibt die Frage, ob auch menschliche Männer ihre Sportlichkeit via Spermien vererben können? Dafür spricht eine weitere Beobachtung: Sieben der zehn bei Mäusen auffälligen Mikro-RNAs existieren auch bei Menschen. Und alle sieben kommen in den Spermien von Ausdauersportlern deutlich häufiger vor als bei unsportlichen Männern.