„Vater der Umwelt-Epigenetik“ im Radio-Interview

21. November 2018 | Von | Kategorie: wirtschaft, projekte & medien

Randy Jirtle (links) beim Interview mit Ernie Hood (Bildrechte: privat).

radioinvivo.org/2018/10/10/epigenetics/

Mit ihren Experimenten an Yello Agouti-Mäusen wurden Randy Jirtle und Robert Waterland einst berühmt. Im Jahr 2003 publizierten sie Resultate, nach denen geklonte, also genetisch fast identische Mäuse, die das Yellow-Agouti-Gen in sich tragen, vollkommen unterschiedlich aussehen, je nachdem, wie die Mutter ernährt wurde, die sie ausgetragen hatte. In Abhängigkeit von der Nahrung der Mutter wird das Gen entweder epigenetisch inaktivierbar geschaltet oder nicht. Noch heute kommt kaum ein populärer Vortrag zum Thema ohne ein Foto der beiden Mäuse aus. Jirtle gilt seitdem als eine Art „Vater der Umwelt-Epigenetik“. Im Jahr 2007 wurde er sogar für den Titel „Mann des Jahres“ des Time Magazine nominiert.

Jirtle, der eigentlich Toxikologe ist, wollte damals vor allem nachweisen, dass die in den USA übliche Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure auch negative Folgen haben kann. Doch dann wurde die Epigenetik zu seinem Lebensthema. Er beschäftigte sich weiter mit dem spannenden Maus-Modell und den epigenetischen Folgen der Ernährung. Zudem spezialisierte er sich auf das Imprinting genannte Phänomen, dass Eltern in Abhängigkeit von ihrem Geschlecht den Kindern unterschiedliche epigenetische Prägungen mit auf den Weg geben. Anlagen für viele Krankheiten entstünden bereits in den ersten Tagen nach der Befruchtung, lautet Jirtles Credo, und das Imprinting habe dabei oft die Hände mit im Spiel. Auch die Hormesis interessiert ihn sehr. Danach machen uns winzige Mengen eines giftigen Einflusses gegenüber zukünftigen Belastungen mit größeren Mengen des gleichen Einflusses widerstandsfähiger. Eines seiner neueren Resultate ist, dass diese Regel vielleicht sogar für Radioaktivität zutrifft.

Im einstündigen Radio-Interview in englischer Sprache spricht Randy Jirtle über all diese wichtigen Etappen seines langen Forscherlebens, er erklärt anschaulich eine Reihe spannender Hintergründe, und er erzählt von neuen Plänen. Absolut empfehlenswert.

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