Tuberkulose-Impfung trainiert unspezifisches Immunsystem

8. August 2022 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Samantha Bannister et al.: Neonatal BCG vaccination is associated with a long-term DNA methylation signature in circulating monocytes. Science Advances 8, 05.08.2022, eabn4002.

Neben dem spezifischen, exakt gegen einen Erregertyp gerichteten Immunsystem haben wir auch ein unspezifisches Immunsystem. Ist es gut trainiert, sind wir gegen mehrere Arten von Infektionen gleichzeitig ein Stück weit besser geschützt. Über Hinweise, dass sich dieses Training vielleicht sogar an Nachkommen vererbt, hat die vorangehende Meldung berichtet. Ein internationales Team, zu dem auch der dort zitierte Mihai Netea gehört, schaute sich nun in Zellkulturen den direkten Einfluss einer Tuberkulose-Impfung (BCG-Impfung) auf bestimmte Immunzellen an – so genannte Monozyten.

Dabei zeigten sich weitreichende systematische epigenetische Veränderungen im Histon-Code und bei der DNA-Methylierung, die Einfluss auf die Regulation vieler Gene nahmen, die für das Immunsystem wichtig sind. Dann schauten die Forscher*innen bei Kindern nach. Hatten diese das BCG-Serum als Neugeborene erhalten, fand sich ein ähnliches epigenetisches Muster wie in den Zellkulturen; waren sie hingegen ungeimpft, fehlte das Muster. Diese positiven unspezifischen Effekte der Tuberkulose-Impfung halten demnach mindestens 12 Monate an. Das bestätigt Hinweise, wonach Impfungen auf epigenetischem Weg das unspezifische Immunsystem trainieren können und deshalb vielleicht auch vor anderen Krankheiten wie Covid-19 besser geschützt sind.

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