Retinoblastome epigenetisch erkennen und behandeln

18. Oktober 2015 | Von | Kategorie: onkologie

Mehnaz Khan et al.: Characterization and pharmacologic targeting of EZH2, a fetal retinal protein and epigenetic regulator, in human retinoblastoma. Laboratory Investigation, 17.08.2015, Online-Vorabpublikation.

Retinoblastome sind der häufigste Augenkrebs bei Kindern und die dritthäufigste Krebserkrankung im Kindesalter überhaupt. Bis heute gibt es dagegen keine gezielte Therapie. Doch jetzt wecken Opthalmologen aus den USA die Hoffnung, Retinoblastome in Zukunft dank einer epigenetischen Besonderheit besser diagnostizieren und behandeln zu können.

Man weiß bereits, dass bei Retinoblastomzellen ein Tumorsuppressor-Gen namens RB1 mutiert ist. Dieses Gen unterdrückt für gewöhnlich das epigenetische Enzym EZH2 – ein Stoff, der Methylgruppen an Histone anlagert (Histonmethyltransferase). Jetzt untersuchten die Forscher 43 chirurgisch entfernte menschliche Augen mit Retinoblastomen. Sie entdeckten, dass alle bösartigen Zellen viel EZH2 enthielten, während es in gesunden Zellen kaum nachweisbar war. Sie schlagen deshalb vor, EZH2 in Zukunft als Biomarker für die gefährlichen Tumorzellen einzusetzen. Weist man die Substanz zum Beispiel auch außerhalb des Auges nach, etwa im Sehnerv, sind dorthin bereits Tumorzellen ausgewandert, was eine systemische Chemotherapie erfordert. Außerdem könne man mit Hilfe des Biomarkers auch Gewebeproben aus der Netzhaut deutlich besser auf Tumorzellen untersuchen.

In Versuchen mit Zellkulturen konnten die Forscher sogar nachweisen, dass pharmakologische Substanzen, die EZH2 hemmen, gezielt die Tumorzellen angreifen, gesunde Zellen aber nicht schädigen. Solche Histonmethyltransferase-Hemmer werden bereits in klinischen Studien gegen andere Krebsarten getestet (siehe dazu gleich drei Artikel im Newsletter Epigenetik 01/2015).

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