Oxytocin mischt mit

30. Januar 2016 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Erica L. Smearman et al.: Oxytocin receptor genetic and epigenetic variations: association with child abuse and adult psychiatric symptoms. Child Development 87, 01/2016, S. 122-134.

Dass frühkindlich erlebte Gewalt, Vernachlässigung und Misshandlung Spuren in den Epigenomen der Betroffenen hinterlassen, ist mittlerweile weitgehend anerkannt. Auch dafür, dass die Opfer nicht zuletzt deshalb später im Leben ein erhöhtes Risiko für zahlreiche psychische Störungen haben, gibt es zunehmend Hinweise. Wirklich gut untersucht ist hierbei allerdings nur das Stressregulationssystem, etwa durch Veränderungen am Gen für den Glucocorticoid-Rezeptor oder das Gen FKBP5.

Jetzt haben US-amerikanische Epigenetiker systematisch das Gen für den Rezeptor des so genannten Kuschelhormons Oxytocin angeschaut, das Bindungsfähigkeit und Sozialverhalten steuert. Sie analysierten Blutproben von fast 400 erwachsenen Afroamerikanern, von denen die Hälfte in der Kindheit missbraucht oder misshandelt worden war (übrigens die gleichen Proben, wie in der Meldung Chronischer Stress macht epigenetisch alt). Zwar fanden sich keine epigenetischen Marker, die eindeutig auf die frühe Traumatisierung zurückzuführen waren, aber dennoch entdeckten die Forscher eine klare Verbindung zwischen frühem Trauma und späterem Risiko für Depressionen und Angststörung: Wer als Kind misshandelt oder missbraucht worden war und später psychisch erkrankte, hatte ein anderes DNA-Methylierungsmuster als früh misshandelte Menschen, die psychisch gesund geblieben sind.

Was die epigenetische Besonderheit bewirkt, ist zwar noch unklar. Doch sollte sich der Befund auch in den kaum zugänglichen Gehirn-Zellen finden, und beeinflusst er dort tatsächlich die Menge an Oxytocin-Rezeptoren, so dürfte klar sein, dass neben der Stress-Achse auch das Oxytocin-System mitmischt, wenn es um die frühe Prägung erhöhter psychischer Risiken im Erwachsenenalter geht.

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