Fürsorge beeinflusst Hirnchemie

3. Januar 2012 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Ilaria Bertochi et al.: Regulatory functions of limbic receptors in body weight and anxiety uncovered by conditional knockout and maternal care. PNAS 108, 29.11. 2011, S. 19395-19400.

Wenn Mäuse oder Ratten in frühester Kindheit nicht im üblichen Maß umsorgt werden, hinterlässt das bleibende Spuren in den Epigenomen wichtiger Gehirnzellen. Eine Folge dieser frühkindlichen Prägung ist eine überempfindliche Stressachse, die zeitlebens ein besonders ängstliches, mitunter aggressives und depressionsähnliches Verhalten auslöst. Bekannt ist, dass daran Veränderungen in der Regulation der Hormone Cortisol und Vasopressin beteiligt sind. Nun fand ein deutsch-italienisches Forscherteam einen dritten Mitspieler: das Neuropeptid Y.

Neurowissenschaftler um Rolf Sprengel vom Max- Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg untersuchten Mäuse, bei denen das Gen für eine Andockstelle des Botenstoffs Neuroptid Y teilweise ausgeschaltet war. Diese Mäuse sind besonders ängstlich und wiegen außergewöhnlich wenig. Ihr Stresshormonspiegel ist erhöht. Allerdings wird der Unterschied zu gewöhnlichen Mäusen nur dann sichtbar, wenn beide Gruppen in den ersten drei Wochen nach der Geburt von fürsorglichen Müttern aufgezogen wurden. Kümmern sich die Mütter nur schlecht um den Nachwuchs, bilden offenbar auch jene Mäuse mit voll aktivierbarem Rezeptor-Gen zu wenige Andockstellen für das Neuropeptid Y und werden ängstlich und dünn.

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