Das Geheimnis der Dreifachhelix

7. Januar 2011 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Kerstin-Maike Schmitz et al.: Interaction of noncoding RNA with the rDNA promotor mediates recruitment of DNMT3b and silencing of rRNA genes. Genes & Development 24, 15.10.2010, S. 2264-2269.

Eine der aktuellen Fragen der Epigenetik ist, was jenen Enzymen, die einzelne Gene per DNA-Methylierung abschalten (DNA-Methyltransferasen, DNMT), den Weg zur richtigen Stelle weist. Seit kurzem häufen sich Hinweise, dass es kleine, so genannte nichtkodierende RNA-Moleküle (ncRNA) sind, die spiegelbildlich zu bestimmten DNA-Abschnitten passen und den methylierenden Enzymen als Anker dienen (siehe Newsletter Epigenetik 01/2010). Das Team um Ingrid Grummt, Heidelberg, hat ein neues Beispiel für dieses Prinzip entdeckt. Die Forscher untersuchten pRNA, eine spezielle ncRNA, die sich immer in der Nähe eines Promotors (Gen-Aktivator) an einen zu ihrer Basenfolge passenden DNA-Strang anlagert. Dieses Molekül flicht sich in die Doppelhelix ein und bildet eine Dreifachhelix. Diese Struktur erkennt wiederum die DNA-Methyltransferase vom Typ 3B, die andockt, die DNA methyliert und so das zugehörige Gen inaktivierbar macht. Da über die Hälfte des menschlichen Erbguts in ncRNA übersetzt werden könnten, vermutet Ingrid Grummt, einen generellen und verbreiteten Weg der epigenetischen Regulation gefunden zu haben: „Es ist durchaus denkbar, dass für alle Gene, die zeitweise stillgelegt werden, passgenaue nichtkodierende RNAs vorhanden sind.“

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