Akute lymphatische Leukämie besser verstehen – und behandeln

18. Oktober 2021 | Von | Kategorie: onkologie

Aurore Touzart et al.: Epigenetic analysis of patients with T-ALL identifies poor outcomes and a hypomethylating agent-responsive subgroup. Science Translational Medicine 13, 26.05.2021, eabc4834.

Ein deutsch-französisches Team unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums, DKFZ, in Heidelberg, darunter der Mitherausgeber dieses Newsletters Christoph Plass, hat sich die systematische epigenetische Analyse der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) vorgenommen und wichtige Ergebnisse erzielt. Dieser aggressive Blutkrebs ist vor allem bei Kindern häufig und kann seit einigen Jahren immer besser behandelt werden. Dennoch gibt es gerade bei erwachsenen Patient*innen Formen mit eher schlechter Prognose.

Plass und Kolleg*innen betrachteten das Muster der DNA-Methylierung bei 143 erwachsenen ALL-Patient*innen und fanden fünf klar unterscheidbare Typen. Eine sehr aggressive Form hat besonders wenige Methylgruppen. Sie ist hypomethyliert. Eine zweite, ebenfalls sehr aggressive Variante, ist hingegen hypermethyliert. Sie hat also auffallend viele Methylgruppen an der DNA. In Experimenten, bei denen menschliche ALL-Zellen in Mäuse eingepflanzt wurden, konnte der hypermethylierte Krebs mit Hilfe des methylierungshemmenden Mittels 5-Azacitidin erfolgreich bekämpft werden. Das Medikament, das gegen fortgeschrittene Myelodisplastische Syndrome (MDS) bei Menschen schon lange eingesetzt wird (siehe Newsletter Epigenetik 01/2011), verzögerte das Krebswachstum signifikant. Vielleicht sei eine epigenetische Therapie bei dieser ALL-Variante ein erfolgversprechender neuer Ansatz, folgern die Forscher*innen. 

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