Einzeldosis Kokain verändert Epigenetik im Mäusegehirn

FENS News: Just one exposure to cocaine alters mouse brain cells for two weeks. Pressemitteilung, 07.07.2026.

Suchterkrankungen sind ein riesiges Gesundheitsproblem. Doch obwohl schon lange bekannt ist, dass epigenetische Veränderungen von Gehirnzellen zur Drogenabhängigkeit von Menschen beitragen, sind die genauen Mechanismen der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Sucht noch nicht verstanden. Jetzt stellte die Genetikerin Ana Pombo vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin auf einer internationalen Tagung in Barcelona (Federation of European Neuroscience Societies, FENS) Daten zur Epigenetik von Mäusen vor, die das ändern könnten. Die Ergebnisse wurden bislang nur in einer nicht begutachteten Vorabversion veröffentlicht.

Pombo erforscht mir ihrem Team die dreidimensionale Struktur der zwei Meter langen, auf mehrere Chromosomen verteilten Fäden der DNA in den Zellkernen. Diese Chromatinstruktur ist ein bedeutendes epigenetisches Regulationssystem. Denn durch sie können Gene besonders leicht oder durch die räumliche Nähe zu sogenannten Enhancer-Elementen sogar verstärkt von Enzymen abgelesen werden oder eben nicht.

Experimente mit Mäusen zeigten nun, dass sich die Chromatinstruktur in Zellen, die für Suchterkrankungen wichtig sind, bereits nach einer einzigen Dosis des Suchtmittels an etwa 2800 Stellen so veränderte, dass Gene besser oder schlechter abgelesen werden konnten. Dadurch erzeugten die Zellen anschließend einige Botenstoffe häufiger, von denen bekannt ist, dass sie auch bei Suchterkrankungen des Menschen eine Rolle spielen.

Besonders wichtig ist, dass die Forschenden die Veränderungen auch noch zwei Wochen später nachweisen konnten. Teilweise hatte sich der Effekt sogar verstärkt. „Diese anhaltenden Veränderungen könnten die Voraussetzungen für eine stärkere Reaktion nach einer zweiten Kokain-Dosis schaffen“, erklärt Pombo laut einer Pressemitteilung.

Das mache das Gehirn womöglich anfälliger für eine Kokainsucht. Noch müsse indes geklärt werden, wie dauerhaft die Veränderungen wirklich sind, die Pombo als „Narbe im Genom der Gehirnzellen“ bezeichnet. „Außerdem müssen wir untersuchen, inwiefern sich diese Veränderungen tatsächlich auf das Suchtrisiko auswirken“, ergänzt die Forscherin.