Warum Brustkrebs-Therapie manchmal nicht wirkt

10. August 2022 | Von | Kategorie: onkologie

Francesca Menghi et al.: Genomic and epigenomic BRCA alterations predict adaptive resistance and response to platinum-based therapy in patients with triple-negative breast and ovarian carcinomas. Science Translational Medicine 14, 06.07.2022, eabn1926.

Triple-negativer Brustkrebs heißt so, weil ihm gleich mehrere wichtige Tumormarker fehlen, die Tests darauf also negativ ausfallen. Etwa jeder sechste Brust- und manche Eierstockkrebse (Ovarialkarzinome) fallen in diese Kategorie. Fatalerweise sind sie oft besonders aggressiv und eher schlecht zu therapieren. Ein Rätsel war bislang, warum manche Patient*innen relativ schnell gegen Chemotherapie unempfindlich werden, andere aber nicht. Dieses Rätsel scheinen Forscher*innen um Francesca Menghi aus Farmington, USA, nun in einer kleinen Studie gelöst zu haben. Bestätigen größere Studien die Resultate, könnte ein epigenetischer Test im Voraus klären, wer die Chemotherapie erhalten soll und wer nicht – ein weiterer Schritt zur Präzisions-Krebsmedizin.

Gängige Tests unterscheiden nicht, ob in Tumorzellen die Brustkrebsgene BRCA1 oder -2 wegen einer Mutation ausfallen oder weil sie epigenetisch per DNA-Methylierung stumm geschaltet sind. Menghi und Kolleg*innen setzten deshalb genomische und epigenomische Verfahren ein, die diesen Unterschied ermittelten. Nun zeigte sich, dass eine so genannte platinbasierte Chemotherapie (z.B. mit Cisplatin) bei den epigenetisch veränderten Tumoren kaum half, weil diese ihr Epigenom rasch anpassten und dadurch resistent wurden. Lag jedoch eine genetische Mutation vor, war die Therapie effektiv.

Mit einem zweiten Test überprüften die Forscher*innen zudem ein bestimmtes Signal des Immunsystems der Patient*innen. Danach lassen sich Betroffene sogar in vier Untergruppen aufteilen. Zwei davon reagieren sehr gut auf eine Chemotherapie, eine mittelmäßig und eine eher schlecht. Dass bei vielen früheren Studien zwischen den Gruppen nicht unterschieden wurde, erkläre deren oft wenig überzeugende Resultate, schreiben die Forscher*innen. Platinbasierte Chemotherapeutika sollten in Kombination mit anderen Mitteln in Zukunft präzise nur dort eingesetzt werden, wo sie helfen. Das dürfte die Überlebensraten nach ihrem Einsatz deutlich steigern. 

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