Sind Sie zu dick? Dann schlafen Sie mehr!

9. November 2018 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Jonathan Cedernaes et al.: Acute sleep loss results in tissue-specific alterations in genome-wide DNA methylation state and metabolic fuel utilization in humans. Science Advances 4, 22.08.2018, doi: 10.1126/sciadv.aar8590.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der US-amerikanische Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington DC. Dass beide übergewichtig sind, wundert nicht: Trump prahlt damit, immer nur vier Stunden zu schlafen, Merkel gibt zu, zu wenig Schlaf zu bekommen (Bildrechte: Nicole S. Glass / Shutterstock.com)

Der Blick auf viele Regierende dieser Welt offenbart eine der sichtbarsten Folgen chronischen Schlafmangels: Übergewicht. Politiker schlafen wenig und arbeiten oft nachts. Beides macht auf Dauer und ohne gezielte Gegenmaßnahmen dick. Jetzt konnte ein internationales Team aus Molekular- und Neurobiologen um Christian Benedict von der Universität in Uppsala, Schweden, zeigen, was in den Fett- und Muskelzellen schlafmangel-geplagter Menschen passiert. Epigenetische Veränderungen stehen dabei im Zentrum des Geschehens.

Die Forscher baten 15 junge, schlanke und gesunde Männer zwei Mal für gut drei Tage ins Labor, um unter streng einheitlichen Bedingungen ihren Schlaf zu kontrollieren sowie ihre Körperzellen zu untersuchen. Das eine Mal durften die Männer normal schlafen, das andere Mal mussten sie die letzte Nacht wach bleiben. Vor und nach dieser Nacht machten die Forscher einige Tests und entnahmen kleine Stanzproben aus Fett- und Muskelgewebe. Eine Analyse der Genregulation in den Zellen ergab schließlich, dass diese durch den Schlafmangel in ein anderes, noch dazu gegensätzliches Programm umschalten. Die Fettzellen funktionieren plötzlich wie jene stark übergewichtiger Menschen mit einem zu Diabetes neigenden Stoffwechsel.

Danach entdeckten die Forscher, dass schon die eine Nacht ohne Schlaf das Muster der epigenetisch aktiven DNA-Methylierungen im Erbgut der Fettzellen an 148 Stellen neu justiert hatte. Mehrere dieser Stellen beeinflussen die Aktivierbarkeit von Genen höchstwahrscheinlich auf genau die gleiche Art, wie es bei Menschen geschieht, die wegen krankhaftem Übergewicht kurz vor einer operativen Magenverkleinerung stehen – und das, obwohl es sich hier um das Fettgewebe gesunder, schlanker junger Männer handelt. Auch das am heftigsten betroffene Gen namens CD36 spielt eine Rolle bei der Fetteinlagerung. Man weiß sogar, dass es bei übergewichtigen Menschen und Patienten mit Typ-​2-Diabetes ebenfalls dereguliert ist.

Eine ausführliche Fassung dieses Artikels lesen Sie im Online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter.de:

www.riffreporter.de/erbe-umwelt-peter-spork/schlafmangel_epigenetik/.

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