Schlafmangel-Epigenom

27. April 2021 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Alexandra Lahtinen et al.: Differential DNA methylation in recovery from shift work disorder. Scientific Reports 11, 03.02.2021, 2895.

Schichtarbeit ist eine Gesundheitsgefahr. Vor allem wenn die Arbeitszeiten ständig wechseln und auch nachts gearbeitet wird, erhöht die wiederkehrende Störung des biologischen Rhythmus‘ das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechselkrankheiten, Verdauungsstörungen, psychische Leiden aller Art, Schlafstörungen und vermutlich sogar Krebs. Bislang ist aber unklar, wie sich Schichtarbeit und chronischer Schlafmangel auf Organe und Zellen auswirken und wie man die molekularbiologischen Veränderungen beobachten und messen kann.

Alexandra Lahtinen und weitere Schlafforscher*innen von der Universität Helsinki ändern das derzeit. Sie erfassen epigenetische Veränderungen bei Menschen, die am so genannten Schichtarbeitersyndrom leiden. Das ist vor allem eine Störung des Schlafrhythmus, die meist von langfristiger, wechselnder Schichtarbeit ausgelöst wird und zu chronischem Schlafmangel führt. Die Forscher*innen beobachteten 32 Schichtarbeiter*innen, 21 davon mit dem Syndrom. Dann machten alle Proband*innen einen zweiwöchigen Urlaub, in dem sie versuchten, regelmäßig und viel zu schlafen. Die Forscher*innen nahmen Blutproben und analysierten das Muster der epigenetisch aktiven DNA-Methylierungen in Immunzellen.

Lahtinen und Kolleg*innen fanden auffällig regulierte Gene und entschlüsselten mit systembiologischen Berechnungen deren Aufgabe. So wandelte sich bei den Immunzellen vermutlich die Menge des NMDA Rezeptors, einer bestimmten Art von Andockstellen für den Botenstoff Glutamat – einer von mehreren Hinweise, wie Schlafmangel das Risiko für chronische Entzündungen erhöht.

Nach dem Urlaub hatte sich die Epigenetik der erkrankten Proband*innen übrigens an das Muster der gesunden Proband*innen angenähert. Und dieser Effekt war umso ausgeprägter, je besser sich die Betroffenen von ihrem Syndrom im Laufe der zwei Wochen erholt hatten. Endlich ist denkbar, die objektive, molekular messbare Stärke eines Schichtarbeitersyndroms sowie den Erfolg eines Erholungsurlaubs mit Hilfe der Analyse nur eines oder weniger epigenetischer Markierungen im Blut zu erfassen. 

Wenn Schlafmangel auf die Gene schlägt heißt ein ausführlicher Hintergrund-Artikel zum Thema, den Sie im online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter.de lesen können.

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