Intro Oktober 2012

1. Oktober 2012 | Von | Kategorie: intro

Peter Spork, (C) Manfred WittDie systematische Erfassung ganzer Epigenome – die Epigenomik – nimmt angesichts rasanter technischer Fortschritte immer mehr an Fahrt auf. In diesem Newsletter zeugen davon nicht nur die Berichte über die ersten Resultate des ENCODEKonsortiums sowie den Start des Deutschen Epigenom-Programms DEEP . Auch das hübsche Titelbild ist Epigenomik. Sie fasst das menschliche Leben aus epigenetischem Blickwinkel zusammen.

Angesichts vieler Berichte über ENCODE sollte man noch einmal an die Definition der Epigenetik erinnern. Allzu oft wird der Begriff mit bloßer Genregulation gleich gesetzt. Dabei benötigt das, was man vielleicht als Echtzeit-Genregulation zusammenfassen könnte – die Promotor-Aktivierung zum Beispiel – ein direktes Signal und verändert die Biochemie der Zelle nur so lange dieses Signal besteht. Epigenetik kann mehr: Sie fixiert Genaktivierungsmuster dauerhaft und gibt sie sogar an Tochterzellen weiter. Damit wirken epigenetische Veränderungen Wochen, Monate, oft sogar ein Leben lang.

Vielleicht auch länger? Über nichts diskutieren Epigenetiker heftiger. Überqueren epigenetische Marker die Generationsgrenze? Können Menschen mit einer gesunden Lebensweise womöglich das Krankheitsrisiko ihrer Nachkommen verringern? Viele Indizien sprechen dafür. Die These als bewiesen hinzustellen, wäre jedoch Scharlatanerie. Immerhin verdichten sich die Belege: Lesen Sie auf Seite 8, dass die Ernährung schwangerer Ratten auch das Brustkrebsrisiko ihrer Enkelinnen und Urenkelinnen beeinflusst.

Dazu passt das Resultat einer Studie aus dem FASEB Journal (Mihai D. Niculescu et al., doi: 10.1096/ fj.12-210724), die mich leider erst erreichte, als der Newsletter schon fertig war: Die Menge an Alpha-Linolensäure, die Mäuse schon vor ihrer Schwangerschaft essen, verändert beim später gezeugten Nachwuchs die DNA-Methylierung am Fads2-Gen. Dieses ist wiederum am Fettstoffwechsel beteiligt. Was auch immer die physiologische Erklärung dafür ist, so verdeutlicht es doch einmal mehr: Prävention sollte so früh wie möglich beginnen, und sie wirkt weitaus nachhaltiger als bisher gedacht.

Herzlich, Ihr Peter Spork

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