„Epigenetische Erblast“ verändert Stressreaktion der Urenkel

9. Juli 2012 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

David Crews et al.: Epigenetic transgenerational inheritance of altered stress responses. PNAS 109, 05.06.2012, S. 9143-9148.

Die Arbeitsgruppe um den US-amerikanischen Molekularbiologen Michael Skinner untersucht seit Jahren Ratten, die mit dem Pflanzenschutzmittel Vinclozolin vergiftet und deshalb epigenetisch verändert wurden. Da das Gift auch die Epigenome der Keimzellen belastet, werden die Folgen laut früheren Studien auch an Nachfahren weitergegeben.

Jetzt zeigten Skinner und Kollegen mit dem gleichen Tiermodell, dass die „epigenetische Erblast“ auch die Reaktion auf starken Stress manipulieren kann. Ratten wurden einer extremen psychischen Belastung ausgesetzt. Solche Tiere, deren Urgroßmütter mit Vinclozolin vergiftet worden waren, reagierten darauf mit einer besonders starken, Stoffwechsel und Verhalten umprägenden Reaktion: Sie wurden und blieben dicker und waren weniger neugierig und sozial als Vertreter einer Kontrollgruppe. Die Forscher sprechen gegenüber der Presse von einer epigenetischen Belastung durch die Vorfahren, die mit entscheide, wie der Nachwuchs auf prägende Umwelteinüsse reagiere. Und sie geben zu Bedenken, dass auch wir Menschen seit wenigen Generationen einer Vielzahl neuer Chemikalien ausgesetzt sind, deren Einfluss auf unsere Epigenome nicht ausreichend erforscht sei.

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