Infekt männlicher Mäuse verändert Spermien und Nachwuchs

Chenxuan Li et al.: Paternal immune activation-induced alteration of 28S rRNA-derived small RNAs in sperm reprograms offspring phenotypes. PNAS Nexus 5, 13.01.2026, pgaf381.

Es gibt inzwischen eine Menge Studien, die belegen, dass die Gesundheit von Männern ihre Spermien verändert, und dass diese Veränderung die Gesundheit von Kindern ein Stück weit prägt. Verantwortlich für den auch als intergenerationelle epigenetische Vererbung bezeichneten Prozess scheinen epigenetisch aktive Moleküle oder Strukturen an und neben der DNA der Spermien zu sein, die mit der Befruchtung des Eis auf den Nachwuchs übertragen werden.

Während der Embryonalentwicklung nehmen diese „Boten aus dem Spermium“ irgendwie Einfluss auf die Entwicklung des Stoffwechsels, des Gehirns und anderer Organe. Wie das genau funktioniert, ist nach wie vor rätselhaft, aber nun bringt eine neue Studie aus China mehr Licht ins Dunkel: Chenxuan Li und Kollegïnnen aktivierten das Immunsystem männlicher Mäuse mit einer Substanz, die sie einem Bakterium entnommen hatten. Sie täuschten also eine Infektion mit dem Erreger vor.

Jene Spermien, die im Nebenhoden ausreiften und auf ihren Einsatz warteten, bildeten nun vermehrt epigenetisch aktive Botenstoffe vom Typ 28S-rsRNA. Diese kleinen RNA-Moleküle entstehen aus einer RNA, die eigentlich zum Aufbau wichtiger Zellbestandteile namens Ribosomen beiträgt. Doch hier haben sie der neuen Studie zufolge eine andere Funktion: Sie werden mit der Befruchtung auf die Nachkommen übertragen und beeinflussen deren biologische Entwicklung.

Als Resultat werden die Mäuse der nächsten Generation besonders groß. Sie neigen zu Übergewicht und einer Art Diabetes. Außerdem sind sie oft besonders ängstlich und aggressiv. Das schließen die Forschenden aus zwei Beobachtungen: Erstens ist länger bekannt, dass eine Infektionskrankheit bei der väterlichen Maus solche Besonderheiten beim Nachwuchs auslösen kann. Zweitens ließ sich die gleiche Art der Prägung auch dadurch erreichen, dass den Spermien gesunder Männchen künstliche 28S-rsRNA zugesetzt wurde.

Schon vor einem Jahr hatten Forschende des Helmholtz Zentrum München eine ganz ähnliche Entdeckung gemacht. Die Spermien der Münchener Mäuse reagierten auf eine ungesunde, zu kalorienreiche Ernährung mit der Produktion besonders vieler epigenetisch aktiver RNAs (mt-tsRNA), die aus einer anderen Art von Zellbestandteil stammen, den Mitochondrien.

Auch hier bekamen die Nachkommen einen gestörten Stoffwechsel. Und in dieser Studie konnten die Forschenden sogar zeigen, dass menschliche Männer mit Übergewicht ebenfalls besonders viele dieser epigenetisch aktiven Substanzen in den Spermien haben.

Das Zeitfenster der ersten 1000 Tage im Leben eines Menschen galt bislang als entscheidend für dessen frühe biologische Entwicklung und die Vorbeugung vor später im Leben auftretenden Krankheiten. Muss dieses Fenster jetzt vielleicht erweitert werden? Bislang beginnt es mit der Zeugung, doch offensichtlich spielt schon die Entwicklung der Keimzellen – des Spermiums und vermutlich auch des Eis – eine wegweisende Rolle.

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