Gestörte epigenetische Rhythmen machen Leber krank

2. Juli 2011 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Dan Feng et al.: A circadian rhythm orchestrated by histone deacetylase 3 controls hepatic lipid metabolism. Science 331, 11.03.2011, S. 1315-1319.
David D. Moore: Crise de foie, redux? Science 331, 11.03.2011, S. 1275-1276.
Hao A. Duong et al.: A molecular mechanism for circadian clock negative feedback. Science 332, 17.06.2011, S. 1436-1439.

Dass Schichtarbeiter ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselkrankheiten wie das metabolische Syndrom haben, ist bekannt. Schuld daran könnten Störungen in der epigenetisch gesteuerten rhythmischen Aktivität des Fettstoffwechsels in der Leber sein. Das fanden jetzt amerikanische Endokrinologen um Dan Feng in einer Studie mit Mäusen heraus. Am Tag, wenn die Tiere meist schlafen, schaltet das histonmodifizierende Enzym HDAC3 zusammen mit einem nur zu dieser Tageszeit auftretenden Ko-Faktor (Rev-erbα) 14.000 Gene ab. Nachts, während der Aktivitätsphase der Tiere, fehlt der Ko-Faktor und bis auf 100 Gene sind alle zuvor stumm geschalteten aktivierbar. Offenbar sorgt der epigenetisch vermittelte Rhythmus dafür, dass die Leber immer nur dann arbeitsbereit ist, wenn sie auch gebraucht wird. Störten die Forscher dieses System, bekamen die Mäuse eine Fettleber – ein Szenario, das durchaus auch bei menschlichen Schichtarbeitern denkbar sei, kommentiert David Moore in einem Begleitartikel.
Auch Hao Duong aus Boston mit Kollegen fanden eine HDAC, die zusammen mit einem Ko-Faktor die Histone und damit die Genaktivitätsmuster von Zellen rhythmisch verändern. Dieses Prinzip sei wohl schon von der ersten hoch entwickelten Zelle erfunden worden, glauben die Forscher. Denn es finde sich bei Säugern, Insekten, Pflanzen und Pilzen.

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