Erfolg von Psychotherapie lässt sich epigenetisch messen

Kira D. Höffler et al. : Epigenetic markers of response to psychotherapy in obsessive compulsive disorder. Neuropsychopharmacology, 09.09.2026, online-Vorabpublikation.

Vor einigen Jahren machte eine Studie von der deutschen Psychiaterin Katharina Domschke und Kolleg*innen Schlagzeilen. Erstmals war es gelungen, den Erfolg einer Psychotherapie mit Hilfe eines molekularen Biomarkers zu messen.

Damals ging es um Verhaltenstherapie als Mittel gegen Angststörungen. Im Erfolgsfall hatte sich das epigenetische Muster der Patientinnen an einer bestimmten Stelle normalisiert, andernfalls nicht. Doch die Studie war klein und die konkreten Ergebnisse wurden bis heute nicht bestätigt – wenngleich Domschke und andere Forschende in größeren Studien weitere epigenetische Verbindungen zwischen Psychotherapie und Angststörungen entdeckten.

Dass das Konzept indes funktioniert, zeigt jetzt eine umfassende epigenetische Analyse bei 889 Personen mit einer Zwangsstörung – vermutlich die bislang größte Studie ihrer Art. Alle Proband*innen machten eine kognitive Verhaltenstherapie – das derzeitige Mittel der Wahl bei dieser Art von psychischem Leiden. Parallel wertete das internationale Forschungsteam unter Leitung der Universität im norwegischen Bergen das epigenetisch aktive Muster der an die DNA angelagerten Methylgruppen in Zellen aus Speichelproben aus.

Proben wurden vor und kurz nach der Therapie sowie drei Monate später genommen. Außerdem verglichen die Forschenden die Resultate mit Proben von 384 gesunden Personen. Es zeigten sich gleich mehrere systematische epigenetische Unterschiede. Manche existierten bereits vor der Therapie und haben das Potenzial, in Zukunft vorherzusagen, ob die Behandlung erfolgreich sein wird oder nicht. Andere korrelierten nachträglich mit dem Behandlungserfolg. Sie änderten sich im Verlauf der Behandlung, aber nur dann, wenn es den Patient*innen wirklich besser ging.

Spannend ist auch die Aufgabe von Genen, die infolge der epigenetische Veränderungen mehr oder weniger gut aktivierbar waren. Sie spielen eine Rolle bei der Ausbildung neuer Nervenkontakte, also letztlich beim Lernen, bei der Reaktion auf Stress, in der Immunreaktion, beim zellinternen Energiestoffwechsel und in der Regulation anderer Gene.

Auch wenn die Studie keine kausalen Zusammenhänge ermitteln konnte, so legen die Resultate doch nahe, dass die erfolgreiche Therapie die Arbeitsweise des Gehirns verändert – und damit vielleicht, wie Betroffene die Welt sehen.

Vor allem aber könnten die Erkenntnisse in Zukunft dabei helfen, schon im Vorfeld mit Hilfe eines epigenetischen Tests zu entscheiden, welche von mehreren Behandlungen die Beste für eine Person ist. Und sie dürften die Erforschung der noch immer schlecht verstandenen Ursachen von Zwangsstörungen weiter voranbringen.