Epigenetischer Schutz vor Posttraumatischer Belastungsstörung

1. Juli 2011 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Karestan C. Koenen et al.: SLC6A4 methylation modifies the effect of the number of traumatic events on risk for Posttraumatic Stress Disorder. Depression and Anxiety, 23.05.2011, Online-Vorabpublikation.
Monica Uddin et al.: Gene expression and methylation signatures of MAN2C1 are associated with PTSD. Disease Markers 30, 01/2011, S. 111-121.
Monica Uddin et al.: Epigenetic and inflammatory marker profiles associated with depression in a community-based epidemiological sample. Psychological Medicine 41, 05/2011, S. 997-1007.
Tania L. Roth et al.: Epigenetic modification of hippocampal Bdnf DNA in adult rats in an animal model of post-traumatic stress disorder. Journal of Psychiatric Research 45, 07/2011, S. 919-926.

Knapp fünf Prozent der Bevölkerung durchleben irgendwann eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Jetzt fanden Epidemiologen heraus, dass manche Menschen dank einer epigenetischen Veränderung besser als andere vor den bleibenden negativen Folgen traumatischer Erlebnisse geschützt sind. Dies ist eines der Resultate der so genannten Detroit Neighborhood Health Study. Die Forscher untersuchten mehr als 1.500 zufällig ausgewählte Erwachsene auf Depressionen, PTBS sowie vergangene Traumata und nahmen Blutproben. Eine Analyse ergab nun, dass das Erkrankungsrisiko eines Menschen umso höher ist, je mehr traumatische Erlebnisse er bereits verarbeiten musste. Allerdings scheinen selbst unter den Betroffenen mit massivster Belastung mehr als die Hälfte gegen PTBS gefeit. Im Blut dieser Menschen entdeckten die Epidemiologen eine epigenetische Besonderheit: Das Gen für den so genannten Serotonin- Transporter SLC6A4 war bei ihnen besonders stark durch angelagerte Methylgruppen deaktiviert.

Umgekehrt verhält es sich beim Gen MAN2C1. Dieses scheint gerade bei PTBS-Patienten stark methyliert zu sein. Und auch eine dritte epigenetische Analyse der Daten aus Detroit passt ins Bild: Die Epigenome der Blutzellen von depressiven Studienteilnehmern unterschieden sich systematisch von denen jener Menschen, die noch nie an einer Depression erkrankt waren. Die Forscher hoffen nun, das PTBS-Risiko eines Menschen in Zukunft besser abschätzen zu können.

Abgerundet wird der neue, epigenetische Blick auf PTBS durch eine vierte aktuelle Studie. Sie stammt aus der Arbeitsgruppe des bekannten US-Epigenetikers David Sweatt und beschäftigt sich mit mehrfach psychosozial gestressten Ratten. Durch das Trauma lagerten sich in Nervenzellen der Tiere vermehrt Methylgruppen an das so genannte Bdnf-Gen in einem bestimmten Abschnitt des Hippocampus – einer für das Gedächtnis wichtigen Hirnregion. Der Befund unterstreiche die Theorie, dass epigenetische Schalter am Bdnf-Gen auch bei Menschen mit PTBS für bleibende Beschwerden verantwortlich seien, schreiben die Autoren.

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