Epigenetische Anpassung des Verhaltens

2. April 2013 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Danay Baker-Andresen et al.: Dynamic DNA methylation: a prime candidate for genomic metaplasticity and behavioral adaptation. Trends in Neuroscience 36, 01 / 2013, S. 3-13.

Johanna Bick et al.: Childhood adversity and DNA methylation of genes involved in the hypothalamus-pituitary-adrenal axis and immune system: whole-genome and candidate-gene associations. Development and Psychopathology 24, 11 / 2012, S. 1417-1425.

Cristina Márquez et al.: Peripuberty stress leads to abnormal aggression, altered amygdala and orbitofrontal reactivity and increased prefrontal MAOA gene expression. Translational Psychiatry 3, 15.01.2013, e216.

Psychologie und Psychiatrie erkennen zunehmend die Bedeutung der Epigenetik für Diagnose, Prävention und vielleicht sogar Therapie seelischer Leiden. So beschreibt Danay Baker-Andresen aus Australien, wie sehr sich das Bild der DNA-Methylierung in letzter Zeit wandelte. Früher habe man gedacht, dieser epigenetische Schalter sei statisch und helfe Zellen nur bei der biologischen Differenzierung. Doch heute sei klar, dass die so genannten Methylome der Zellen sich zeitlebens wandeln. Zellen könnten Methylgruppen an die DNA anlagern und entfernen. Diese Metaplastizität helfe dem jungen Organismus, während der Reifung mit bleibenden Anpassungen auf prägende Einflüsse zu reagieren. Und Erwachsene unterstütze er permanent bei der Abstimmung des Verhaltens mit wechselnden Umweltsituationen.

Johanna Bick und Kollegen fassen viele Daten von Tier und Mensch zusammen, die belegen, dass frühkindliche Vernachlässigung und Missbrauch aufgrund epigenetischer Prägung langfristig das Risiko für eine Reihe geistiger und körperlicher Krankheiten erhöhen. Verantwortlich dafür sei vor allem die veränderte Genregulation in Zellen des Stress- und Immunsystems. Die Analyse dieser Daten liefere spannende neue Hypothesen. Was das konkret bedeutet, zeigt Cristina Márquez mit Kollegen in Versuchen mit männlichen Ratten. Die Tiere wurden vor ihrer Pubertät stark geängstigt, was sie später zu besonders aggressiven Erwachsenen werden ließ.

Einer der Auslöser dieser übersteigerten Aggression, ist eine epigenetische Histon-Veränderung im Vorderhirn, die dort für eine besonders hohe Aktivität des Gens MAOA sorgte. Hemmten die Forscher das Gen, ging das antisoziale Verhalten zurück.

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