Einstiegsdroge Nikotin

1. Januar 2012 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Amir Levine et al.: Molecular Mechanism for a gateway drug: Epigenetic changes initiated by nicotine prime gene expression by cocaine. Science Translational Medicine 3, 02.11.2011, S. 107ra109.
Nora D. Volkow: Epigenetics in Nicotine: Another nail in the coughing. Science Translational Medicine 3, 02.11.2011, S. 107ps43.

Dass die Abhängigkeit von Kokain mit typischen Veränderungen der Epigenome bestimmter Nervenzellen einher geht, ist schon länger bekannt (siehe Newsletter Epigenetik 1/2010 u. 2/2011). Nun konnte ein Forscherteam um den Nobelpreisträger Eric Kandel zusätzlich zeigen, dass epigenetische Veränderungen auch verantwortlich dafür sind, dass Nikotin oft als Einstiegsdroge zur Kokainsucht wirkt. Wie Experimente mit Mäusen ergaben, hemmt der Tabak-Inhaltsstoff im Striatum genannten Teil des Gehirns ein epigenetisch aktives Enzym aus der Gruppe der Histondeacetylasen, was das Ablesen eines Gens namens FosB erleichtert. Dadurch erhöht sich das Risiko der Mäuse, kokainabhängig zu werden. Der Befund erklärt epidemiologische Daten bei Menschen, nach denen die meisten Kokainabhängigen bereits Raucher sind und Nikotinkonsum das Abhängigkeitsrisiko deutlich erhöht. Lässt sich das Resultat auf den Menschen übertragen, so würden Antiraucherkampagnen bei Jugendlichen in Zukunft auch die Zahl späterer Kokainabhängiger verringern. Nora Volkow vom US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse kommentiert, das sei ein gutes Argument mehr für strengere Regulierungen des Tabakkonsums.

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