Ungleicher Start ins Leben

8. Oktober 2011 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Sonja Entringer et al.: Stress exposure in intrauterine life is associated with shorter telomere length in young adulthood. PNAS 108, 16.08. 2011, S. E513-E518.
Stacy S. Drury et al.: Telomere length and early severe social deprivation: linking early adversity and cellular aging. Molecular Psychiatry, 17.05.2011, Online-Vorabpublikation.

Sonja Entringer, jetzt in Irvine, USA, testete vor Jahren in Trier zwei Gruppen von Studenten mit vergleichbarer Kindheit und Jugend. Die Mütter der einen mussten allerdings trotz medizinisch unauffälliger Schwangerschaft starke psychische Belastungen überstehen, etwa den Tod eines Elternteils oder die Scheidung vom Ehepartner. Vermutlich aufgrund vorgeburtlicher epigenetischer Prägung hatten diese ein überempfindliches Stresshormonsystem.

Jetzt zeigte sich, dass unter der Belastung sogar das physiologische Alter gelitten hatte – gemessen anhand der Länge der so genannten Telomere an den Chromosomen-Enden von Immunzellen. Die Körperzellen 25-jähriger Männer, deren Mütter in der Schwangerschaft starkem psychosozialen Stress ausgesetzt waren, entsprechen demnach etwa jenen gewöhnlicher 28-jähriger, die von 25-jährigen Frauen sogar jenen von 30-jährigen. Entringer kommentiert: „Stress im Uterus beeinflusst signifikant die Telomerlänge bei Erwachsenen, und das selbst dann, wenn man alle bereits bekannten vor- und nachgeburtlichen Einflussfaktoren berücksichtigt.“

Eine zweite Studie passt ins Bild: Forscher aus den USA hatten die Telomerlänge 136 rumänischer Heimkinder analysiert. Es zeigte sich, dass die Telomere der Kleinen umso kürzer waren, je länger ihr vermutlich sehr belastender Aufenthalt im Heim gedauert hatte.

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