Stoppsignal für Hautalterung

30. August 2021 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Yao Yu et al.: A stress-induced miR-31-CLOCK-ERK pathway is a key driver and therapeutic target for skin aging. Nature Aging, 16.08.2021, DOI: 10.1038/s43587-021-00094-8.

Ein Team von Stammzellforscher*innen aus China lieferte mit einer Studie an Mäusen schlüssige Hinweise auf Faktoren, die die Hautalterung auf molekularbiologischer Ebene vorantreiben. Yao Yu und Kolleg*innen schreiben angesichts ihrer Resultate sogar von einem „vielversprechenden therapeutischen Weg zur Behandlung der Hautalterung“.

Die Forscher*innen aus China stressten oder verletzten Stammzellen von Haarfollikeln der Mäuse, so dass diese besonders rasch alterten und teilweise abstarben. Dann klärten Yu und Kolleg*innen auf, welche Reaktionskaskade für die Zellalterung verantwortlich ist. Am Anfang der Hautalterungs-Kette steht der neuen Studie zufolge eine epigenetisch aktive Mikro-RNA, genauer die miR-31. Diese verändert die Regulation eines Gens namens Clock, das wichtig für den inneren Rhythmus der Zellen ist. Das zugehörige Clock-Protein wird deshalb seltener gebildet, worauf die Zellen mit einer weiteren Botenstoff-Reaktion antworten, der MAPK/ERK-Kaskade. Und exakt diese scheint es letztlich zu sein, die manche Stammzellen in einen verfrühten Tod treibt und so die Haut altern lässt.

Querschnitt durch die menschliche Haut. Oben sind die Zellen der Epidermis (Oberhaut), die auch die Haarfollikel bilden. In tieferen Hautschichten (Lederhaut und Unterhaut) finden sich Blutgefäße, Schweiß- und Talgdrüsen, Muskeln, Fett- und Nervenzellen sowie Sensoren für Schmerz, Druck und Berührung. (Bildrechte: megija / deposit)

Den Chines*innen gelang es jedenfalls, das Altern der Mäusehaut auszubremsen, indem sie mit Hilfe der CRISPR-Genschere Mäuse so veränderten, dass sie keine MiR-31 bilden konnten. In einem weiteren Experiment hemmten sie bei gewöhnlichen Tieren mit einem Medikament die MAPK/ERK-Kaskade. Und auch dieses Mal stoppte die Hautalterung. Nun hoffen die Forscher*innen auf zukünftige Tinkturen oder andere Mittel, die auf exakt diesem Weg ein krankhaftes verfrühtes Absterben von Hautstammzellen stoppen können. Solche Mittel wären zum Beispiel für Krebspatient*innen ein Segen, deren Haut wegen einer Strahlentherapie gelitten hat und vorzeitig gealtert ist.

Unabhängige Experten loben zwar die Arbeit, bleiben bei den Zukunftsaussichten aber skeptisch. Dass schon bald die erste wirklich wirksame Anti-Aging-Salbe für Haut und Haar komme, daran glaube er nicht, sagt der Hautforscher und Biologe Stefan Kippenberger vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Ähnliches habe er schon zu oft gehört, „und dann wurde es doch nix“. Aber er ergänzt: „Ich lass mich gerne vom Gegenteil überraschen.“

Anti-Aging: Wie Haut länger jung bleibt – vielleicht heißt ein ausführlicher Hintergrund-Artikel zum Thema, den Sie im Online-Magazin Erbe&Umwelt bei RiffReporter.de lesen können.

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