Rattenväter vererben Neigung zu Diabetes

2. Januar 2011 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Sheau-Fang Ng et al.: Chronic high-fat diet in fathers programs b-cell dysfunction in female rat offspring. Nature 467, 21.10.2010, S. 963-966.
Michael Skinner: Fathers’ nutritional legacy. Nature 467, 21.10.2010, S. 922-923.

Epidemiologische Studien bei Menschen liefern seit einigen Jahren Hinweise, dass ein ungesunder Lebensstil von Menschen unter bestimmten Umständen sogar noch vor der Zeugung von Kindern deren Krankheitsrisiko verändert. Als Auslöser kommt eine epigenetische transgenerationelle Vererbung in Frage – also die bleibende Veränderung der Epigenome in den Keimzellen. Deren Existenz bei Säugetieren und Menschen ist nach wie vor umstritten.

Doch jetzt gelang einem Team von australischen Pharmakologen und Genetikern ein Experiment, das kaum noch Zweifel aufkommen lässt. Männliche Ratten, die besonders fettreich gemästet wurden, bekamen im Vergleich zu ausgewogen ernährten Rattenvätern weit überdurchschnittlich häufig Töchter mit einem diabetesähnlichen Stoffwechsel. Obwohl die Mütter gesund waren und normal ernährt wurden, zeigten ihre Töchter im Alter erhöhte Blutzuckerspiegel und waren gegen Insulin resistent. In den Inselzellen der Töchter war die Aktivität von 642 Genen auffällig verändert. Zudem war das Methylierungsmuster abgewandelt.

„Dies ist der erste Bericht einer nichtgenetischen generationsüberschreitenden Übertragung der metabolischen Folgen einer Überernährung von Vätern auf ihre Nachkommen“, schreiben die Autoren. Der US-amerikanische Epigenetiker Michael Skinner urteilt, die epigenetische Vererbung trage unter Umständen zum derzeitigen „dramatischen Anstieg“ von Fettsucht und Typ-2-Diabetes in industrialisierten Ländern bei.

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