Lob der Widerstandskraft

28. Juni 2016 | Von | Kategorie: wirtschaft, projekte & medien

Richard Friebe: Hormesis. Das Prinzip Widerstandskraft. Wie Stress und Gift uns stärker machen. Carl Hanser
Verlag, München 2016
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978-3-446-44311-2-Cover-Libreka-1400x2154„Erst die Dosis macht das Gift“: Das soll schon Paracelsus vor 500 Jahren gesagt haben. Und die Aussage ist heute aktueller denn je. Unsere Angst vor Umweltgiften und anderen mehr oder weniger versteckten Gefahren der modernen Zeit, vom Pflanzenschutzmitterückstand im Lebensmittel bis zur radioaktiven Reststrahlung oder dem „ach so vielen Stress im Alltag“, beruht auf der Annahme, dass alles, was in großen Mengen gefährlich ist, auch in geringen Dosen schadet. Doch so einfach ist Biologie im Allgemeinen nicht. Organismen reagieren fast immer nichtlinear. Sie sind komplex.

Eine der Konsequenzen aus dieser wichtigen, bislang weitgehend verdrängten Erkenntnis ist das äußerst spannende Phänomen der Hormesis: Setzen wir uns per se negativen Belastungen – Gift, Stress, Strahlung oder sogar Sport – in geringen Dosen aus, stärkt das unsere Widerstandskraft und Resilienz. Körper und Geist werden trainiert. Sie halten in Zukunft größere Mengen der gleichen Belastung aus als zuvor (siehe auch die Meldung Stress der Mutter macht Kinder vielleicht resilienter). Bislang hat sich diese Erkenntnis noch nicht allzu weit herumgesprochen. Der Begriff Hormesis löst selbst bei Toxikologen und Ärzten oft nur Schulterzucken aus. Das sollte sich schleunigst ändern, denn sowohl die Politik als auch die Medizin werden von den neuen Erkenntnissen auf diesem spannenden Gebiet gewaltig profitieren.

Dass die Hormesis demnächst in aller Munde sein dürfte, dafür hat jetzt der Biologe und Autor Richard Friebe gesorgt. Sein neues Werk Hormesis ist eine spannende und unerhört kundige Einführung in die weite Welt der guten Wirkung kleiner Dosen und der Nichtlinearität der Biologie. Nach der Lektüre von Hormesis wird wohl niemand mehr die Macht der Widerstandskraft unterschätzen. Selbstverständlich bilden epigenetische Veränderungen oft die molekularbiologische Basis einer hormetischen Veränderung in Körper und Geist. Darauf geht Friebe zwar kaum ein, aber sein Buch sei dennoch wärmstens empfohlen: Es hat das Potenzial, diese Gesellschaft zu verändern.

Bildrechte: Carl Hanser Verlag, München

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