Kommt die Anti-Aging-Pille?

1. April 2013 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Basil P. Hubbard et al.: Evidence for a common mechanism of SIRT1 regulation by allosteric activators. Science 339, 08.03.2013, S. 1216-1219. Hua Yuan & Ronen Marmorstein: Red wine, toast of the town (again). Science 339, 08.03.2013, S. 1156-1157. Mahedevan Lakshminarasimhan et al.: Sirt1 activation by resveratrol is substrate sequence-selective. Aging 5, 03 / 2013, Online- Vorabpublikation.

David Sinclair von der Harvard University in Boston ist berühmt für die Erforschung eines epigenetisch aktiven Stoffs, der beim Menschen Sirtuin 1 genannt wird. Er galt lange als Jungbrunnen-Enzym, da seine Aktivität die Alterung vieler verschiedener Lebewesen zu verzögern schien (auf dem Titelbild am Beispiel einer Hefezelle gezeigt). Zuletzt wurde diese Theorie wegen widersprechender Befunde angezweifelt, doch nun publizierte Sinclair mit Kollegen neue Daten, die ihm Recht geben.

Deshalb hier noch mal die ganze Geschichte: Eine kalorienreduzierte Ernährung, viel Bewegung oder auch bestimmte Substanzen wie das unter anderem im Rotwein enthaltene Resveratrol aktivieren Sirtuin1, das daraufhin verstärkt Acetylgruppen von Histonen und anderen Proteinen entfernt. Nicht zuletzt die darauf folgenden epigenetischen Veränderungen sorgen wohl dafür, dass Zellen verstärkt Alterungsprozesse bekämpfen, was Alterskrankheiten vorbeugt. Gemeinsam mit der Firma GlaxoSmithCline testet Sinclair seit 2008 Substanzen, die den Effekt des Resveratrols verstärkt nachahmen und wurde mehrfach fündig. Erste Tests mit synthetischen Sirtuin 1-Aktivatoren als Mittel gegen Typ-2-Diabetes oder Schuppenflechte waren angeblich erfolgreich. Langfristig gäbe es vielleicht eine präventive Anti-Aging-Pille, sagt Sinclair und gibt sich in einer Pressemeldung optimistisch: „Wir wissen nun, dass das Altern keine irreversible Heimsuchung ist. Manche könnten vielleicht 150 Jahre leben. Aber um das zu erreichen, benötigen wir mehr Forschung.“

Eine zeitgleich vom Fachblatt Aging publizierte Studie deutscher Forscher bestätigt die Resultate aus Boston und zeigt, dass Sirtuin 1, wenn es durch Resveratrol aktiviert wird, auf verschiedene Proteine sehr unterschiedlich wirkt. Da andere Aktivatoren vermutlich auch eine andere Wirkung haben, werden Pharmakologen sich wohl noch lange mit Sirtuin1 und seinen Aktivatoren beschäftigen.

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