Ist chronische Aggressivität epigenetisch programmiert?

6. November 2013 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Nadine Provencal et al.: Differential DNA methylation regions in cytokine and transcription factor genomic loci associate with childhood aggression. PLOS One 8, 19.08.2013, e71691.

Manche Jungen verhalten sich während ihrer gesamten Kindheit und Jugend ungewöhnlich aggressiv. Jetzt konnten Forscher aus Kanada bei solchen Menschen selbst dann noch epigenetische Besonderheiten in Blutzellen nachweisen, wenn sie längst erwachsen waren. Die Gene für bestimmte Entzündungs- Botenstoffe (Cytokine) sind anders mit Methylgruppen besetzt als bei Menschen mit unauffälliger Jugend. Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass sich auch die Menge der Cytokine im Blut bei beiden Gruppen unterscheidet. Bekannt ist zudem, dass chronische Aggressivität oft bei Jungen auftritt, deren Mütter während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt psychische Probleme hatten oder drogenabhängig waren. Die Forscher vermuten nun, dass negative Erfahrungen aus der Zeit rund um die Geburt ein aggressiv machendes, epigenetisches Programm aktiviert haben, in dem die frühkindliche Erfahrung gespeichert ist. Zukünftige Präventionsprogramme sollten deshalb bereits während der Schwangerschaft ansetzen.

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