Epigenetisches Medikament macht Leukämiezellen angreifbar

4. Juli 2012 | Von | Kategorie: onkologie

Tino Schenk et al.: Inhibition of the LSD1 (KDM1A) demethylase reactivates the all-trans-retinoic acid differentiation pathway in acute myeloid leukemia. Nature Medicine 18, 11.03.2012, S. 605-611.
Michael Lübbert et al.: A multicenter phase II trial of decitabine as first-line treatment for older patients with acute myeloid leukemia judged unfit for induction chemotherapy. Haematologica 97, 03/2012, S. 393-401.

Gegen die Akute Promyeloische Leukämie (APL) hilft oft ein Mittel namens ATRA, das aber bei anderen Formen der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) versagt. Nun fanden Onkologen einen epigenetischen Weg, der die Zellen offenbar so umprogrammiert, dass sie wieder anfällig für ATRA werden. Das Antidepressivum Tranylcypromin (TCP) hemmt ein Enzym, namens LSD1, das Methylgruppen von Histonen entfernt. Wird TCP gemeinsam mit ATRA gegeben, hemmt das in Laborexperimenten menschliche AML-Zellen deutlich. Da beide Stoffe bereits als Medikamente zugelassen sind, werden die Forscher schon bald mit einer Phase-II-Studie am Menschen beginnen.

Eine solche Studie unter Leitung der Freiburger Universitätsklinik brachte unlängst gute Ergebnisse mit einem anderen epigenetischen Medikament: Decitabin, ein Mittel, das DNA-Methyltransferasen hemmt (DNMT-Hemmer) und so per DNA-Methylierung stumm geschaltete Gene wieder aktivierbar macht, zeigte sich wirksam im Kampf gegen AML bei ansonsten schwer behandelbaren älteren Menschen. Jetzt soll es in einer größeren Studie in Kombination mit ATRA oder der ähnlich wirkenden Valproinsäure getestet werden.

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