Epidemie während der Zeugung stärkt Immunsystem des Nachwuchses

6. Juni 2014 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Kai Willführ & Mikko Myrskylä. Disease load at conception predicts survival in later epidemics in a historical French-Canadian cohort, suggesting functional trans-generational effects in humans. PLOS One 9, 04/2014, e93868.

Die außergenetische Weitergabe von Umweltanpassungen an folgende Generationen ist eines der spannendsten aktuellen Forschungsgebiete (siehe auch „Mikro RNAs in Spermien…“, S. 5). Jetzt fand Kai Willführ vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock mit einem Londoner Kollegen historische Hinweise auf einen solchen Effekt beim Menschen: Daten aus alten Kirchenbüchern über Epidemien des 18. Jahrhunderts in der kanadischen Provinz Québec legen nahe, dass eine Infektion der Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung das Immunsystem des Nachwuchses zeitlebens stärken kann.

Herrschte zu jener Zeit, zu der Kinder gezeugt wurden, beispielsweise eine Masernepidemie, reagierten diese zeitlebens unempfindlicher auf Infektionen aller Art. So sank ihr Sterblichkeitsrisiko während einer späteren Pockenepidemie gegenüber dem Durchschnitt auf ein Siebentel. Der Effekt stärke das Immunsystem wohl allgemein, folgern die Biodemografen, da der Schutz nicht auf die Art der Krankheit beschränkt sei. Genetische Veränderungen könnten dafür alleine nicht verantwortlich sein. Es sei aber gut möglich, dass es sich um transgenerationelle epigenetische Vererbung handele.

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