ALL ist auch eine epigenetische Krankheit

3. November 2013 | Von | Kategorie: onkologie

Lena Harder et al.: Aberrant ZNF423 impedes B cell differentiation and is linked to adverse outcome of ETV6-RUNX1 negative B precursor acute lymphoblastic leukemia. Journal of Experimental Medicine 210, 21.10.2013, S. 2289-2304.

Akute Lymphatische Leukämie (ALL) sei „nicht, wie bisher angenommen, ausschließlich eine genetische Erkrankung“, kommentiert Martin Horstmann vom Kinderkrebs-Zentrum Hamburg eine neue Studie deutscher Hämato-Onkologen, an der sein Team federführend beteiligt war. Auch epigenetische Veränderungen – so genannte Epimutationen – spielten den neuen Resultaten zufolge „eine wesentliche Rolle“. Die Forscher entdeckten, warum einige ALL-Patienten einen besonders hohen Spiegel des Proteins ZNF423 aufweisen, was meist mit einer schlechten Prognose einhergeht. ZNF423 blockiert einen wichtigen Reifungsfaktor der B-Zellen im Blut, was wiederum deren Bösartigkeit bedingt. Horstmanns Team fand heraus, dass bei diesen Patienten besonders wenige Methylgruppen an dem Gen für ZNF423 angedockt sind, eine Epimutation, die dieses Gen besonders leicht aktivierbar macht. Nun wollen die Forscher versuchen, das Gen für ZNF423 bei betroffenen ALL-Patienten gezielt zu hemmen und die Blockade der Zellreifung so rückgängig zu machen. Ungezielte epigenetische Therapien, etwa mit einer demethylierenden Substanz (DNMT-Hemmer), könnten dagegen bei Patienten mit geringem ZNF423-Spiegel dessen Gen erst aktivierbar machen und das Leiden verschlechtern, warnt Horstmann.

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