Was uns dick macht

3. November 2013 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Frédéric Guénard et al.: Differential methylation in glucoregulatorygenes of offspring born before vs. after maternal gastrointestinal bypass surgery. PNAS 110, 09.07.2013, S. 11439-11444.

Zumindest teilweise scheint die oft als Fettsucht-Epidemie bezeichnete Zunahme übergewichtiger Menschen auf eine häufiger werdende negative epigenetische Prägung des Stoffwechsels im Mutterleib zurückzugehen. Diesen Verdacht bestätigt nun eine neue Studie: Ein Team um Marie-Claude Vohl, Kanada, analysierte epigenetische Markierungen am Erbgut von 50 Kindern. Diese stammten von insgesamt 20 Müttern, die wegen einer Fettsucht einen Magen-Bypass erhalten hatten. Die Hälfte der Kinder war deshalb als Embryo einem deutlich höheren Nahrungsangebot ausgesetzt – und zudem auch später im Leben eher übergewichtig – als ihre jüngeren Geschwister, obwohl die Mutter noch immer die Gleiche war.

Die epigenomische Analyse der Kinder erbrachte Erstaunliches: An insgesamt 5.698 Genen fanden die Forscher in Blutzellen aus beiden Gruppen systematische Unterschiede bei den epigenetischen Markierungen. Zudem zeigte sich, dass viele der epigenetisch anders markierten Gene tatsächlich mehr oder weniger aktiv waren. Zu guter Letzt entdeckten die Forscher unter den betroffenen Genen auch einige, die am Stoffwechsel und der Entstehung der typischen Krankheiten stark Übergewichtiger beteiligt sind. Vohl und Kollegen bewerten ihre Arbeit als „einmalige klinische Studie“, denn sie demonstriere, dass eine effektive Behandlung der Mutter bei den Kindern „dauerhaft nachweisbar ist“, und zwar beim Blick auf die Schalter an den Genen.

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