Männliche Geparden haben zunächst kein eigenes Revier, sondern streifen als sogenannte Floater umher. Manchmal übernehmen sie aber nach heftigem, oft tödlich endendem Kampf das Revier eines anderen Männchens. Daraufhin ändern sich ihr Körperbau und das Verhalten. Sie legen deutlich an Gewicht zu, werden aggressiver und sesshaft.
Ein Team um Alexandra Weyrich vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin analysierte jetzt die epigenetischen Veränderungen bei zehn namibischen Geparden während der Wandlung vom Floater zum territorialen Männchen. Die Forschenden nahmen von jedem der Tiere zwei Blutproben – einmal, als es noch herumstreunte und ein zweites Mal, als es eine sesshafte Raubkatze mit Revier geworden war.
Im Zuge der Wandlung waren in vielen Bereichen der DNA der analysierten Immunzellen angelagerte Methylgruppen verschwunden. Das macht benachbart liegende Gene in der Regel leichter ablesbar. Und weil unter den Genen auch solche sind, die bei der Entwicklung von Körperbau, Kopfform und Nervensystem beteiligt sind, passen die Ergebnisse ins Bild: Manche der Gene „hängen mit genau den Merkmalen zusammen, die sich auch äußerlich verändern“, sagt Alexandra Weyrich laut einer Pressemitteilung.
Auch wenn unklar bleibt, ob die epigenetischen Veränderungen die Wandlung der Geparden ausgelöst haben oder nur deren Folge sind, so belegt die Studie eindrucksvoll das große Veränderungspotenzial der gefährdeten Tierart. Das wiederum weckt Hoffnung, dass sich Geparden trotz der kleinen Größe ihrer Population und der damit einhergehenden geringen genetischen Vielfalt an zukünftige menschengemachte Bedrohungen anpassen können.
Das zugrundeliegende Phänomen der phänotypischen Plastizität ist jedenfalls von vielen Organismen bekannt – etwa von Wasserflöhen oder Stechpalmen. Es auch bei Geparden beobachtet zu haben, ist für Weyrich eine gute Nachricht: „Möglicherweise hilft Individuen diese epigenetische Flexibilität, um unterschiedliche Phänotypen auszubilden, was unter schnell veränderten Umweltbedingungen wichtig ist.“
