Der Treue-Schalter

5. August 2013 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

DSC_5875_WühlmausHui Wang et al.: Histone deacetylase inhibitors facilitate partner preference formation in female prairie voles. Nature Neuroscience 16, 07/2013, S. 919-924.

Prärie-Wühlmäuse sind erstaunlich monogam. Nach der ersten Paarung bleiben sie auf immer treu. Nun fanden US-Biologen, dass epigenetische Veränderungen im Gehirn den tiefen Wandel des Sozialverhaltens zumindest mit bewirken. Bekannt war bereits, dass die enge Paarbindung über die „Bindungshormone“ Oxytocin und Vasopressin vermittelt wird. Jetzt spürten die Forscher epigenetische Schalter für diese Reaktion auf.

Das Team um Hui Wang behandelte weibliche, noch nicht vergebene Prärie-Wühlmäuse mit den Histondeacetylase- Hemmern Trichostatin A (TSA) oder Natriumbutyrat. Diese blockieren das Enzym Histondeacetylase (HDAC), das Acetylgruppen von Histoneiweißen entfernt und machen dadurch Gene aktivierbar. Tatsächlich zeigten die behandelten Tiere eine verstärkte Bindung zu bekannten Männchen, ohne sich gepaart zu haben. Die Analyse der zuständigen Hirnareale (Nuclei accumbentes) offenbarte: An den Kontrollregionen der Gene der Rezeptoren für Oxytocin und Vasopressin waren Histone stärker acetyliert. Die Hirnzellen dürften also besonders viele Rezeptoren gebildet und dadurch empfindlicher auf die Hormone reagiert haben. Das passt ins Bild, denn gewöhnliche, frisch verpaarte Prärie-Wühlmäuse zeigen die gleichen epigenetischen Veränderungen.

Foto: Männliche und weibliche Prärie-Wühlmäuse leben streng monogam. Sie kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs und verjagen Eindringlinge anderen Geschlechts (Bildrechte: Eran Mukamel, The Salk Institute for Biological Studies).

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