Negative Rückkopplung im RNA-Reich

7. April 2012 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Holger Dill et al.: Intronic miR-26b controls neuronal differentiation by repressing its host transcript, ctdsp2. Genes & Development 26, 01.01.2012, S. 25-30.
Jinju Han et al.: The enemy within: intronic miR-26b represses its host gene, ctdsp2, to regulate neurogenesis. Genes & Development 26, 01.01.2012, S. 6-10.

Wie raffiniert die Kontrolle der Genregulation sein kann, entdeckte jetzt ein Team aus Zürich und Würzburg. Damit sich neuronale Stammzellen zu Nervenzellen fortentwickeln, muss zunächst ein Genkontrolleur namens REST wirkungslos gemacht werden. Das geschieht auf epigenetischem Weg, indem eine Mikro-RNA namens miR-26b die Übersetzung des zu REST gehörenden Gens ctdsp2 in das dazugehörige Eiweiß unterbindet. Das neue – so noch nie zuvor beobachtetet – Phänomen ist, dass der Code für miR-26b von jenem Gen eingeschlossen ist, das es selber hemmt: ctdsp2. Immer wenn das Gen abgelesen wird, bildet die Zelle also zugleich jene Substanz, die seine eigene Übersetzung auf epigenetischem Weg unterbindet – eine klassische negative Rückkopplung, die zunächst wenig Sinn zu machen scheint. Tatsächlich sorgt aber ein weiteres Detail für die Balance zwischen Stamm- und Nervenzelle. So lange die undifferenzierte Zelle gebraucht wird, unterbindet sie die Reifung von miR-26b. Die negative Rückkopplung ist unterbrochen. Soll die Zelle indes ausdifferenzieren, können rasch viele der benötigten Mikro-RNAs aktiviert werden und das gesamte Genaktivitätsmuster der Zelle verändert sich.

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