In Säugetieren tickt eine epigenetische Uhr: Nach und nach verliert die DNA in den Zellen angelagerte, epigenetisch aktive Methylgruppen (CH3). Der Deutsch-Amerikaner Steve Horvath war der erste, der diese Uhr systematisch für die Messung des biologischen Alters von Menschen nutzte. Heute gibt es sogar Selbsttests, die nach diesem Verfahren funktionieren.
Doch über die Epigenetik alternder Pflanzen war bislang wenig bekannt. Das änderte nun ein Team von Forschenden der University of California in Berkeley, USA. In Experimenten mit der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana fanden sie bei der Pflanze eine epigenetische Uhr, die nach dem gleichen Muster funktioniert, wie bei Säugetieren.
Die Methylierung der DNA lässt auch bei den Pflanzen mit der Zeit nach, sodass immer mehr Regionen des Erbguts für Enzyme zugänglich werden, die deren Codes in Proteine übersetzen oder für die Regulation anderer Gene benutzen wollen.
Bremsten die Forschenden mit künstlichen Maßnahmen das Alterungstempo der Pflanzen, tickte auch die epigenetische Uhr langsamer. Beschleunigten sie hingegen das Altern, wurden auch die Methylgruppen rascher abgebaut. Die Pflanzen können allerdings Ableger bilden, die epigenetisch komplett verjüngt ins neue Leben starten – eine Fähigkeit, die sicher auch manche Menschen gerne hätten.
Besonders interessant ist ein weiteres Resultat: Schalteten die Forschenden die epigenetische Uhr ab, alterten die Pflanzen unbeirrt weiter. Anders als oft vermutet, scheint die Epigenetik also nicht das Altern zu steuern, sondern es ist umgekehrt: Durch das Altern ändert sich auch die Epigenetik. Unternehmen aus der gerade boomenden Longevity-Branche, die an potenziellen Verjüngungspillen forschen, die die epigenetische Uhr anhalten oder zurückdrehen sollen, dürften das besorgt zur Kenntnis nehmen.