Intro Februar 2014

1. Februar 2014 | Von | Kategorie: intro

Joern_Walter_privatDie Epigenomforschung – also die systematische Erfassung der epigenetischen Schalter ganzer Zellen – liefert grundlegende neue Daten für die funktionelle Interpretation des menschlichen Genoms. Initiativen wie ENCODE und die Epigenome Roadmap verschafften ihr in den vergangenen Jahren eine breite Sichtbarkeit. Erste Daten sind im Internet frei abrufbar und bieten bereits umfassende Einblicke in die komplexe epigenetische Steuerung ganzer Genome.

Nach der Pilotphase amerikanischer Initiativen, die vor allem menschliche Zelllinien analysierten und Grundlagen erarbeiteten, ist die Epigenomik seit zwei Jahren in einer neuen Phase: Bis 2017 werden 1.000 epigenomische Referenz-Karten primärer menschlicher Zellen erstellt. Koordinator ist das internationale humane Epigenomkonsortium IHEC, in dem sechs große nationale Programme aus Japan, Korea, Italien, Kanada, den USA und Deutschland, eine transnationale Initiative der EU und Teile des US-Programms ENCODE III (als assoziierter Partner) zusammenarbeiten.

Im November 2013 trafen sich 200 Vertreter dieser Programme zur zweiten IHEC-Jahrestagung in Berlin und zogen stolz eine erfolgreiche Bilanz der ersten Zeit seit dem Start Ende 2011. Eric Marcotte Vorsitzender des IHEC Exekutiv-Komitees konstatierte „einen sehr ausgeprägten gemeinschaftlichen Geist“ der zu einem „unglaublichen Fortschritt“ beigetragen habe.

Innerhalb von zwei Jahren wurden große nationale und transnationale Initiativen aus der Taufe gehoben. Die Datenproduktion von rund 150 Epigenomen wurde aufgebaut, bei 600 weiteren Epigenomen befindet sie sich in konkreter Planung und die ersten fertigen Epigenomkarten primärer menschlicher Zellen werden in Kürze veröffentlicht (http://ihec-epigenomes.org). Auch aus dem Deutschen Epigenom Programm werden 2014 die ersten eigenen Daten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Viele spannende neue Erkenntnisse sind zu erwarten. Denn die international hochrangig besetzte Berliner Konferenz verdeutlichte schon jetzt, wie wichtig hochauflösende epigenomische Referenz-Daten für die klinische Diagnostik, die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und die medizinische Systembiologie werden dürften.

Herzlich, Ihr Jörn Walter

(Foto: privat)

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