Epigenetische Achillesferse von Lungenkrebs

7. September 2017 | Von | Kategorie: onkologie

Maithili P. Dalvi et al.: Taxane-Platin-resistant lung cancers co-develop hypersensitivity to JumonjiC demethylase inhibitors. Cell Reports 19, 23.05.2017, S. 1669-1684.

Es wird immer deutlicher, dass die vielen molekularbiologischen Veränderungen in Krebszellen, die sie aggressiv und gefährlich machen, nicht nur genetischer, sondern oft auch epigenetischer Natur sein können. Krebszellen schalten mitunter mit Hilfe weiträumiger Veränderungen ihrer Epigenome in andere Programme um. Diese machen sie nicht nur bösartiger. Sie sorgen oft auch dafür, dass die Zellen gefährliche Resistenzen gegen Medikamente entwickeln. Mit Hilfe epigenetischer Wirkstoffe versuchen Onkologen deshalb, das bedrohliche epigenetische Werk gezielt anzugreifen. Ein viel versprechendes Beispiel für diese Strategie stellten nun Forscher aus den USA vor. Das könnte eines Tages die Behandlung von Lungenkrebs deutlich verbessern.

Die überwiegende Mehrheit der Lungenkrebse gehört zur nicht-kleinzelligen Form. Im Frühstadium kann eine Operation helfen. Begleitend dazu und in schwereren Fällen wird wenn möglich eine Chemotherapie mit Platinsalzen und weiteren Medikamenten wie den so genannten Taxanen durchgeführt. Leider entwickeln gut zwei Drittel der Patienten eine lebensbedrohliche Resistenz dagegen. Schuld daran scheint der neuen Studie aus den USA zufolge tatsächlich eine epigenetische Umprogrammierung zu sein: Die Forscher behandelten jedenfalls so lange Kulturen menschlicher Krebszellen sowie Mäuse, denen diese Zellen eingepflanzt worden waren, bis die Zellen resistent wurden. Dann spürten die Amerikaner systematische epigenetische Veränderungen in den Zellen auf, sie identifizierten zudem einige Gene, die infolgedessen aktivierbarer geworden waren, und sie fanden darunter sogar solche, von denen man bereits weiß, dass sie Resistenzen begünstigen.

Vermittelt wird die Umprogrammierung in diesem Fall wahrscheinlich von epigenetischen Enzymen aus der Gruppe der JumonjiC-Demethylasen. Auch deren Gene sind jedenfalls besonders aktiv und sie verändern die Histon-Methylierung genau so, dass auch Resistenz-Gene aktiver werden können. Nun testeten die Forscher zwei bekannte Hemmstoffe für diese Enzyme. Tatsächlich reagierten die Krebszellen ungewöhnlich empfindlich darauf und verloren ein Stück weit ihre Resistenz, reagierten also wieder auf die Chemotherapie. Gesunden Zellen scheint die Behandlung hingegen kaum etwas anhaben zu können. Und noch nicht resistente Krebszellen verlieren weitgehend die Fähigkeit, überhaupt erst eine Resistenz zu entwickeln.

Mit einer Hemmung der JumonjiC-Demethylasen könnte man bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs also dem Auftreten von Resistenzen vielleicht sowohl vorbeugen also auch diese Resistenzen rückgängig machen, folgern die Forscher. Zwar handelt es sich hierbei nur um erste Vorstudien. Doch sollten sich die Resultate in klinischem Versuchen mit dem Menschen bestätigen, wäre das eine wirklich gute Nachricht für die Krebsmedizin.

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