Epigenetik steuert sexuelle Orientierung

9. April 2015 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Bridget M. Nugent et al.: Brain feminization requires active repression of masculinization via DNA methylation. Nature Neuroscience, 30.03.2015, Online-Vorabpublikation.

Dass weibliche und männliche Gehirne zumindest in Bezug auf das Sexualverhalten unterschiedlich sind, ist bekannt: Bislang dachte man, männliche Geschlechtshormone würden in einer frühen Entwicklungsphase direkt die Aktivität vermännlichender Gene in den Hirnzellen anstoßen. Doch nun zeigt eine Studie US-amerikanischer Neurobiologen mit Ratten, dass einmal mehr die Epigenetik ihre Finger im Spiel hat.

Zu Beginn der Entwicklung unterdrückt an vielen Stellen eine Methylierung der DNA die Aktivität von Genen im Gehirn. Bleibt es dabei, entwickelt sich das Denkorgan in weibliche Richtung, und die Tiere zeigen später das entsprechende Sexualverhalten. Tauchen im Zuge der Entwicklung männlicher Tiere Sexualhormone auf, unterdrücken diese die Aktivität jener epigenetischen Enzyme, die Methylgruppen an die DNA anlagern (DNA-Methyltransferasen, DNMTs). Die DNA-Methylierung lässt nach, zusätzliche Gene werden aktivierbar, und das Gehirn vermännlicht sich. Es gelang den Forschern sogar, diese Prozesse durch eine pharmakologische Unterdrückung der Enzyme auszulösen und die sexuelle Orientierung weiblicher Tiere zu einem späteren Entwicklungs-Zeitpunkt zu verändern.

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