Zusätzliches epigenetisches Medikament verbessert Leukämie-Therapie

31. Mai 2017 | Von | Kategorie: onkologie

Michael Lübbert et al.: Results of the randomized phase II study DECIDER (AMLSG 14-09) comparing decitabine (DAC) with or without valproic acid (VPA) and with or without all-trans-retinoic acid (ATRA) add-on in newly diagnosed elderly non-fit AML patients. Abstract 589, American Society of Hematology, San Diego, 12/2016.

Für ältere, geschwächte Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) sieht die Prognose meist schlecht aus, da effektive Behandlungsmethoden wie eine Stammzelltransplantation für sie nicht in Frage kommen. Seit einigen Jahren sind für ihre Behandlung deshalb die epigenetischen Medikamente Decitabin und 5-Azacitidin zugelassen. Beide Substanzen wirken gleich: Sie hemmen als so genannte DNA-Methyltransferase-Hemmer (DNMT-Hemmer) Enzyme, die Methylgruppen an die DNA anlagern. Dadurch beeinflussen sie die DNA-Methylierung und machen in aller Regel stumm geschaltete Gene wieder ablesbar.

Leider ist aber auch diese Therapie verbesserungswürdig. Und so testen Forscher um den Freiburger Onkologen  Michael Lübbert seit geraumer Zeit die Kombination der DNMT-Hemmer mit so genannten Histondeacetylase-Hemmern (HDAC-Hemmer). Diese epigenetischen Mittel verändern den Histon-Code, indem sie Enzyme behindern, die Acetylgruppen von Histonproteinen entfernen. Auch sie haben das Potenzial, inaktivierte Gene zu reaktivieren. Jetzt brachte eine klinische Studie mit 204 Patienten erfreuliche Resultate. Es zeigte sich, dass die Patienten auf eine Kombination aus Decitabin und dem HDAC-Hemmer ATRA (all-trans-Retinolsäure) deutlich besser ansprachen und auch signifikant länger überlebten, als bei Gabe des Decitabins alleine. Zusätzliche Nebenwirkungen traten keine auf. Der ebenfalls getestete HDAC-Hemmer Valproinsäure hatte übrigens keinen Effekt.

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