Henne oder Ei

31. Januar 2018 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Muhammad Ahsan et al.: The relative contribution of DNA methylation and genetic variants on protein biomarkers for human diseases. PLoS Genetics 13, 15.09.2017, e1007005.

Simone Wahl et al.: Epigenome-wide association study of body mass index, and the adverse outcomes of adiposity. Nature 541, 05.01.2017, S. 81-86.

Immer wieder messen Epigenetiker verblüffende Korrelationen zwischen bestimmten epigenetischen Mustern in Zellen und dem Auftreten komplexer Krankheiten. Das trug dazu bei, dass epigenetische Veränderungen als Risikofaktor für solche Leiden angesehen werden. Zwar gibt es Beispiele, wo dieser Zusammenhang tatsächlich belegt ist, in den meisten Fällen handelt es sich aber um ein typisches Henne-Ei-Problem: Die Krankheiten können genauso gut eine Folge wie ein Auslöser der epigenetischen Veränderungen sein. Nun publizierten Genetiker um Åsa Johansson von der Universität in Uppsala, Schweden, klare Hinweise, dass zumindest die Epigenome in Blutzellen bei Krebs, chronischen Entzündungen oder Herz-Kreislaufleiden das Krankheitsrisiko zwar sehr gut spiegeln, dieses aber wohl nicht beeinflussen.

Die Forscher ermittelten genomische und epigenomische Daten von 1.004 Menschen und verglichen, welche systematischen Unterschiede für Veränderungen wichtiger, die Krankheiten anzeigender Proteine – so genannter Biomarker – verantwortlich waren. Dabei fielen die epigenetischen Unterschiede alle durch. Oft sind sie eine bloße Folge der genetischen Variabilität oder ausgelöst durch Unterschiede im Lebensstil, die wiederum das Krankheitsrisiko direkt verändern, etwa beim Zigarettenkonsum. Endgültige Klarheit bringt allerdings auch diese Studie nicht. Viele der unterstellten Prozesse spielen sich nicht in den analysierten Blutzellen ab. Zudem ist denkbar, dass sich manche epigenetische Veränderungen auf bislang unentdeckte Biomarker auswirken oder einen statistisch signifikanten Effekt nur in frühen Entwicklungsphasen entfalten.

Unabhängig davon eignen sich viele der epigenomischen Daten hervorragend als potenzielle Biomarker, zeigen sie doch das Auftreten und die Stärke einer Krankheit genauestens an. Außerdem könnten sie Hinweise auf schwere Verlaufsformen geben oder sogar mitverantwortlich für das Auftreten ernster Folgekrankheiten sein. In einer viel beachteten Studie zeigten Simone Wahl und Kollegen beispielsweise schon vor einem Jahr, dass epigenetische Veränderungen in mehreren Geweben vermutlich die Folge von Übergewicht sind und nicht deren Ursache. Gleichzeitig belegten diese Daten aber auch, dass übergewichtige Menschen mit einem ganz bestimmten epigenetischen Muster ein besonders hohes Risiko haben, zusätzlich einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

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