Epigenetisches Mittel hilft alten Mäusen beim Lernen

29. November 2019 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Anderson A. Butler et al.: Long noncoding RNA NEAT1 mediates neuronal histone methylation and age-related memory impairment. Science Signaling 12, eaaw9277, 2019.

Mit dem Alter sinkt die menschliche Lernfähigkeit rapide. Was bereits im Kopf ist, bleibt zwar in der Regel gespeichert. Aber es fällt uns zunehmend schwer, neue Informationen im Langzeitgedächtnis abzulegen. Doch vielleicht lässt sich dieser fatale Prozess eines Tages durch einen epigenetischen Trick aufhalten oder sogar umkehren. Farah Lubin und Kolleg*innen von der University of Alabama in Birmingham, USA, untersuchten eine nichtkodierende RNA namens NEAT1. Da sie zielgenau an bestimmte Stellen der DNA bindet, kann sie epigenetisch aktiven Enzymen als Wegweiser dafür dienen, wo sie die Umgebung der Gene umprogrammieren sollen und wo nicht.

Ältere Menschen, aber auch Patienten mit Gehirn-Erkrankungen wie Alzheimer, Chorea Huntington, Parkinson, Epilepsie und Schizophrenie haben erhöhte NEAT1-Spiegel in Gehirnzellen. Das schlechte Lernen vieler Senioren könnte also mit dem natürlichen Anstieg von NEAT1 im Gehirn zusammenhängen. Deshalb gaben die Forscher*innen alten, schlecht lernenden Mäusen in die entscheidende Hirnregion eine RNA, die NEAT1 per RNA-Interferenz blockiert. Tatsächlich lernten die derart behandelten Tiere sehr viel besser als zuvor. Umgekehrt erging es jungen Mäusen mit ausgezeichneter Lernfähigkeit, deren NEAT1-Produktion per Gentechnik angekurbelt worden war.

Die Entdeckung ist noch weit von der Anwendung beim Menschen entfernt. Außerdem muss es wohl noch einige andere Mechanismen geben, die alternde Nervenzellen epigenetisch umprogrammieren. Dennoch könnte hier ein Schlüssel für das Verständnis und vielleicht sogar für eine zukünftige Behandlung vieler, das Nervensystem beeinträchtigender Krankheiten und Alterserscheinungen zu finden sein.

 

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