Wenn nur ein Zwilling raucht

31. Januar 2018 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Anneli C. S. Bolund et al.: Lung function discordance in monozygotic twins and associated differences in blood DNA methylation. Clinical Epigenetics, 21.12.2017, doi: 10.1186/s13148-017-0427-2.

Schon viele Studien haben ergeben, dass es eindrucksvolle epigenetische Unterschiede zwischen den Zellen von Rauchern und Nichtrauchern sowie von Menschen mit kranken und gesunden Lungen gibt. Unklar bleibt dennoch, ob die epigenetischen Veränderungen durch den Lebensstil oder die Gene ausgelöst werden und ob sie das Krankheitsrisiko erhöhen – oder umgekehrt (siehe auch die Meldung Henne oder Ei). Zumindest den Einfluss der Gene und weitgehend auch der Umwelt aus der Zeit im Mutterleib und der frühen Kindheit konnte ein dänisches Forscherteam jetzt in seiner Analyse ausschließen.

Anneli Bolund und Kollegen untersuchten die Epigenome im Blut von 169 eineiigen Zwillingspaaren, die gemeinsam aufgewachsen sind, und verglichen die Resultate mit den Ergebnissen von Lungenfunktionstests. Obwohl die Probanden genetisch nahezu gleich sind und eine ähnliche Vergangenheit haben, ergaben sich eine Reihe von Korrelationen zwischen der epigenetisch wichtigen DNA-Methylierung und Unterschieden in der Lungenfunktion – einem der wichtigsten Prognosefaktoren für die zukünftige Lebenserwartung. Betroffen war dabei auch die Regulation einiger Gene, die bei der Entstehung von oder dem Schutz vor Krebs sowie bei Entzündungen eine Rolle spielen. Es liegt natürlich nahe, dass der Lebensstil im Erwachsenenalter einer der wahrscheinlichsten Ursachen der Korrelationen ist. Und es wundert kaum, dass die Menge der Zigaretten dabei den größten Einfluss zu haben scheint.

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