Wenn das Großhirn schrumpft

27. April 2017 | Von | Kategorie: grundlagenforschung

Virginie Freytag et al.: A peripheral epigenetic signature of immune system genes is linked to neocortical thickness and memory. Nature Communications, 26.04.2017, doi: 10.1038/ncomms15193.

Schon in jungen Jahren beginnt das menschliche Großhirn zu schrumpfen. Genauer gesagt: Die Großhirnrinde wird immer dünner. Einher mit diesem natürlichen Alterungsprozess geht eine Abnahme der Lern- und Gedächtnisfähigkeit. Gleichzeitig ist seit einigen Jahren bekannt, dass unsere Alterung durch systematische epigenetische Veränderungen in den Zellen begleitet, wenn nicht sogar ausgelöst wird. Jetzt spürte ein deutsch-schweizerisches Epigenetikerteam erfolgreich ein potenzielles Bindeglied dieser beiden Prozesse auf.

Zunächst fanden die Forscher in den Blutzellen von 533 gesunden jungen Erwachsenen ein typisches epigenetisches Muster, das nicht nur mit der Dicke ihrer Großhirnrinde korrelierte sondern auch mit ihrem Alter. Diesen Befund sicherten die Forscher mit den Daten einer unabhängigen ähnlich großen Gruppe ab, die zur Hälfte aus gesunden Menschen und zur Hälfte aus Depressionspatienten bestand. Eine Analyse jener Gene, deren Aktivierbarkeit durch die epigenetische Veränderung betroffen war, rundete das Bild schließlich ab: Veränderungen an einigen dieser Gene beeinflussen unsere Gedächtnisleistung.

Außerdem war die Regulation vieler Gene des Immunsystems betroffen, was wiederum die These stützt, dass es epigenetische Veränderungen an Immunzellen sind, die entscheidend zur Alterung des Menschen beitragen. Die Untersuchung epigenetischer Veränderungen in Immunzellen des Blutes habe womöglich ein großes Potenzial, um Rückschlüsse auf Veränderungen des Gehirns zu ziehen, folgern die Forscher. Und: Die Epigenetik helfe auf diesem Weg eines Tages vielleicht dabei, das natürlich Schrumpfen des alternden Gehirns von krankhaften Prozessen zu unterscheiden

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